PREMIERE: helwa „Sold Cheap“

Es ist ein Song über enttäuschtes Vertrauen und den Schmerz, nicht weitermachen zu können. Mit „Sold Cheap“ reflektiert Jim Hickey alias helwa nicht nur die Dynamik einer ungesunden, zerbrochenen zwischenmenschlichen Beziehung, sondern auch seine eigene Rolle darin. Gleichzeitig stellt der maltesisch-amerikanische Songwriter gedankliche Verbindungen zu seinem Platz in unserer Gesellschaft her und prangert an, dass diese uns dazu verführt, Traumschlösser zu erbauen, die zu keinem Zeitpunkt dafür gedacht sind, Schutz zu bieten oder auf Dauer zu halten. 

„Der Track wurde nach dem schmerzhaften und sehr plötzlichen Scheitern einer Freundschaft geschrieben und der Erkenntnis, dass so vieles davon auf Manipulationen aufgebaut war. In vielerlei Hinsicht fühlte es sich wie eine Transaktion an, und es erinnerte mich an die politischen und sozialen Unruhen in meinem Heimatland Malta. Während ich dies untersuchte, begann mich die Idee zu faszinieren, wie die Identität durch manipulative Akteure entzogen wird. Es bleibt nichts Reales mehr übrig, man ist verkauft worden.“

Und das zu einem Preis, der dem Wert einer fühlenden Seele nicht annähernd gerecht werden kann. Unsere Menschlichkeit lässt sich eben nicht mit Geld aufwiegen. Helwa verpackt diese Mahnung in eine ebenso düster lodernde wie bittersüße Klangkulisse, die stark an die Genialität eines James Blake erinnert. 

„Ich wollte etwas schreiben, das lyrisch geradliniger ist, mit weniger Schichten, etwas, mit dem sich die Hörer*innen sofort identifizieren können. Die Instrumentierung ist auch weniger dicht und lässt viel mehr Raum für die Botschaft des Stücks. Das war für mich die größte Herausforderung überhaupt. Es war aufregend, so weit außerhalb meiner gewohnten Umgebung zu arbeiten, und der Song hat mich genau da getroffen, wo ich ihn haben wollte.“

An der Mittelmeerküste – zwischen der Zelebrierung von Wohlstand und dem sichtbaren Zerfall von Lebenstandards und Infrastruktur entstand das begleitende Video zu „Sold Cheap“, das heute bei uns Premiere feiert. 

„Der passive, gedämpfte Ton spiegelt die mutlose, schwarzseherische mediterrane Politik wider, die im Mittelpunkt des Themas steht, sowie eine Kultur der ererbten Bereitschaft, sich den kolonisierenden Kräften zu beugen.“ 

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