REVIEW: AURORA „What Happened To The Heart?“

Man spricht fast schon inflationär davon, dass Künstler*innen durch die Arbeit an ihren Platten gereift seien. Für AURORA und ihr viertes Studioalbum „What Happened To The Heart?” trifft dies jedoch wahrlich zu.

Sie ist nicht mehr wie zu Zeiten ihrer Durchbruchs-Single „Running with the Wolves“ (2015) von Wölfen getrieben. Aurora Aksnes ist angekommen. Voll und ganz angekommen in einer fluorierenden Karriere. Mit Leichtigkeit füllt sie riesige Hallen, gewinnt haufenweise Awards und knackt mit ihren Song- und Albumveröffentlichungen regelmäßig die Hundertmillionen-Marke auf den diversen Streaming-Plattformen. Da kann sie es sich auch leisten, einmal durchzuatmen. Durchzuatmen und den Druck, den ihre Karriere mit sich gebracht hat, hinter sich zu lassen. Förmlich aus dem Weg zu sprengen. Genau das tut die Norwegerin auf ihrem neuen Album „What Happened To The Heart?“. AURORA ist nicht mehr das Projekt eines Teenagers, der durch die Verwendung eines seiner Songs in einem TV-Spot berühmt wurde und sich von einem Moment auf den anderen in einer Branche zurechtfinden musste, die gefährlicher ist als jedes Haifischbecken. Auf „What Happened To The Heart?“ hören wir eine freie Stimme – mit mehr Volumen und Kraft als je zuvor. Am deutlichsten wird dies in dem akustisch gehaltenen Stück „Essence“, das seinem Titel entsprechend das unverfälschte Talent der Sängerin und Songwriterin zur Schau stellt. Aber auch der Rest der Platte glänzt mit einer reduzierteren Opulenz als man es von früheren Werken kennt. Behutsam baut AURORA die Wall of Sound, die sie in der Vergangenheit errichtet hat, hier und da ein wenig ab. So dass plötzlich sogar zartes Vogelgezwitscher im Hintergrund von „Earthly Delights“ zu vernehmen ist. Was übrigbleibt, sind nachdenkliche, nach wie vor von ätherischen Naturvorstellungen durchdrungene Texte, die die Mittzwanzigerin selbstbewusst vorträgt. Natürlich stampfen und pochen die Drum-Arrangements auch weiter im Hintergrund, expandieren die Synthesizer in die verschiedensten Richtungen und AURORA schreit sich auch ab und zu den ganzen Weltschmerz lauthals aus der Brust, aber eben mit Unterbrechungen. Pausen. Die gesamte LP ist derart ausgewogen und authentisch, dass es vor allem diese Tatsache ist, die einen über die gesamte Spielzeit von etwas mehr als einer Stunde bei der Stange hält. Hinzu kommen unerwartet spannende tonale Experimente in Richtung Country („A Soul With No King”), Disco-Pop (“Do You Feel”), arabisch anmutender Einflüsse („My Name”) und im letzten Drittel auch hektischer, fast technoider Electro-Spielereien („Starvation“, „My Body Is Not Mine”). Weltklasse – im wahrsten Sinne des Wortes!


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