REVIEW: Loma „How Will I Live Without A Body?“

Eines dieser Alben, die auf produktive Weise aufrütteln und zum Nachdenken anregen: Lomas „How Will I Live Without a Body?“.

Allein zu sein und keine Unterstützung bei den Herausforderungen des Lebens zu erhalten, ist für viele von uns eine Horrorvorstellung. Nicht erst seit gestern greift die Einsamkeit in unserer Gesellschaft um sich wie ein Virus, dem wir nur schwer Herr werden können. Inspiriert von der ikonischen Musikerin und Performancekünstlerin Laurie Anderson widmen sich Loma in „How Will I Live Without a Body?“ der Angst, ungesehen zu sein. Verpackt in eine ebenso sanfte wie dramatische Instrumentierung beschäftigen sich die Lyrics der Platte nämlich mit der Tatsache, dass wir in vielen Bereichen unseres Lebens komplett auf uns gestellt sind. Sei es im Umgang mit Beziehungen, mit Verlusten oder wenn es darum geht, sich einen sicheren Hafen zu bauen, in den man einfahren kann, wenn die eigenen Kräfte erschöpft sind und es neue Reserven braucht. Gefühlvoll schlängeln sich Emily Cross, Dan Duszynski und Jonathan Meiburg auf ihrem Drittwerk durch die Irrungen und Wirrungen des Lebens. Was die Platte dabei vor allem auszeichnet, ist, dass sie Tabuthemen nicht negiert, sondern aufgreift, sie sichtbar, hörbar und erlebbar macht. Meist ist das der erste, gleichzeitig aber auch wichtigste Punkt. Denn er vermittelt uns, dass wir trotz unserer Sorgen nicht allein sind, sondern dass sich ein Großteil der Menschen um uns herum in uns hineinversetzen kann. Das wiederum ist nicht nur ein verbindendes Element, sondern auch eine Perspektive. Schließlich können wir sie fragen, was ihre Strategien sind, um den Kopf über Wasser zu halten. So erzählen uns Loma, wie sie damit umgehen, wenn sich Zweifel in der Brust breit machen, und untermalen ihre Gedanken mit einer Soundkulisse, die Gänsehaut erzeugt.


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