REVIEW: Fontaines D.C. „Romance“

Wer, wenn nicht die irischen Wunderkinder von Fontaines D.C., sind in der Lage, die Visionen eines drohenden Endes mit Liebesgefühlen zu unterfüttern. Gekonnt komplettiert „Romance“ die eh schon grandiose Diskografie der fünf Herren.

Ängstlich blicken Fontaines D.C. in die Zukunft. Gebeutelt von politischen Entwicklungen, die es immer schwerer machen, nachts entspannt ein Auge zuzudrücken. Da erstaunt es auch nicht, dass ihr neues Album „Romance“ trotz des markanten Titels alles andere als sanft und verträumt klingt. Auf die Hörer*innen warten wieder die für die Band typischen harten Gitarrenriffs, nervöse Schlagzeugbeats und ein ebenso authentischer wie theatralischer Gesang. Das alles aber in zugespitzter Form! Dystopischer, gewaltiger und kompromissloser als je zuvor. Plötzlich versteht man, warum die aus Dublin stammende Formation neben Shoegaze und Rock auch Grunge und Heavy Metal zu ihren Inspirationsquellen zählt. Melancholie und Ohnmacht durchziehen die Platte von der ersten bis zur letzten Sekunde und verbinden die einzelnen Songs wie ein dicke Klebefäden miteinander. Doch neben all der vermeintlichen Destruktion gibt es auch zarte Funken Hoffnung zu entdecken. Jene Funken, die uns das Wort „Romance“ auf plakative Art und Weise verspricht. Fontaines D.C. sind fasziniert von der Idee, dass es selbst in der tiefsten Krise so etwas wie Magie zwischen zwei Menschen geben kann. Behutsam widmen sie sich in ihren Texten und Instrumentierungen also nicht nur den am Horizont aufziehenden Schatten, sondern suchen auch bewusst nach Licht und Zuversicht. Durch die eher donnernde Instrumentierung, die den Großteil der LP dominiert, wirken Chattens Aussagen wie „Das fasziniert mich – sich am Ende der Welt zu verlieben. Auf dem Album geht es darum, diese kleine zu schützen. Je größer das Armageddon wird, desto wertvoller wird sie.“ schließlich umso gehaltvoller. Denn nur wo Gegensätze sind, kann das Schöne als schön empfunden werden. Es braucht einen Antagonisten, ein Gegenstück. Sparsam eingestreute, schillernde Melodiefetzen („Horseness Is The Whatness“, „Motorcycle Boy“, „Sundowner“) tun ihr Übriges, um diese Wirkung zu verstärken.  Einmal mehr wird deutlich, dass Fontaines D.C. zur absoluten Nachwuchselite der Alternative-Szene gehören. „Romance“ manifestiert diesen Ruf und zeigt, dass die Band sich nicht scheut, mit dem eigenen Stil zu brechen und ihre Gedanken ungefiltert in ehrliche Lyrics und dynamische Arrangements zu verpacken. Ob live oder vom Studiomikrofon eingefangen: Die Stücke von Fontaines D.C. sind und bleiben absolute Gänsehautgaranten.


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