AWOLNATIONs „The Phantom Five“ wächst an seinen Ambitionen ebenso wie es an ihnen scheitert.
Schon während des Schreibprozesses zum neuen AWOLNATION-Album „The Phantom Five“ definierte Frontmann Aaron Bruno seinen Anspruch an das Ergebnis: Jeder Song sollte das Zeug zum Monument haben und als Echo auf einer fiktiven letzten Platte fungieren können. Unvergesslich und ausdrucksstark. Auch wenn „The Phantom Five“ wohl nicht das finale Werk der US-Band sein wird, hört man den zehn Tracks den Druck an, unter dem sie entstanden sind. Im positiven wie im negativen Sinne. Dynamisch und laut schaffen es Stücke wie der Opener „Jump Sit Stand March“, „Bang Your Head“ oder das abschließende „Outta Here“ auf sich aufmerksam zu machen. Die Tracks springen einem förmlich in die Gehörgänge und bieten sowohl mitreißende Melodien als auch einen in sich spannenden und ungewöhnlichen Genremix aus Hard-Rock-Sounds, Pop und Electronica. Gleichzeitig merkt man aber auch, dass der kommerzielle Erfolg früherer Singles und Alben nicht spurlos an Bruno und seinen Kollegen vorbeigegangen ist. Obwohl die Verschmelzung der zuvor genannten Stile an sich etwas Waghalsiges hat, gehen AWOLNATION auf „The Phantom Five“ keine wirklichen Risiken ein. Zumindest nicht konsequent genug. Echte Irritationen gibt es nämlich kaum, auch wenn sie immer wieder angedeutet werden. Sobald rohe Härte aufblitzt, wird sie im nächsten Moment durch Akustikgitarren, Discobeats oder andere Elemente wieder gezielt abgemildert. „The Phantom Five“ klingt hier und da ein wenig totproduziert. Vielleicht, weil es Bruno eben wichtig war, dass jedes Detail stimmt. Dadurch verlieren die Songs aber auch an Nahbarkeit. Ist es doch gerade das Unperfekte, Verletzliche, das uns fasziniert. Statt kleinen Stolperfallen, die AWOLNATION und ihre Zuhörer durchaus hätten meistern können, gibt es nun eine glattgebügelte Ästhetik, die nach großen Stadien, grölendem Publikum und Radioverwertung schreit. Keine gänzlich schlechte Entscheidung, aber eine, die auf Kosten von Mut und Charme gegangen ist.


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