REVIEW: Rose Gray „Louder, Please“

Nicht nur ihr feuerrotes Haar glüht, auch Rose Grays erster Longplayer „Louder, Please“ lässt die Luft vibrieren und das Blut kochen.

Als Musikjournalist*in weiß man nur allzu gut, wie schädlich es sein kann, Songs laut zu hören. Am liebsten noch abgeschottet mit dicken Overear-Kopfhörern oder dröhnend aus riesigen Boxen im Club. Der Preis dafür ist nicht selten ein dumpfes Gefühl, das im schlimmsten Fall der Beginn eines Hörverlusts ist. Doch manche Platten brauchen es, dass man den Lautstärkeregler bis zum Anschlag aufdreht. Erst dann entfalten sie ihre volle Wirkung. Rose Gray sieht das genauso. Sie war schon immer begeistert, wenn die Musik, die sie hörte, dröhnte. Kein Wunder also, dass ihr Debütalbum „Louder, Please“ diese Forderung schon im Titel trägt. Die zwölf Tracks wollen nicht nur wahrgenommen werden, sie wollen zu funkelnden, massiven Fixsternen werden, um die die Sinne – vor alem der akustische – kreisen. Und das gelingt! Denn was Rose Gray da produziert hat, ist Dance-Pop der Extraklasse und hat nur noch wenig mit den souligeren, teils an Amy Winehouse oder Duffy erinnernden EPs aus ihrer Anfangszeit zu tun. Dick aufgetragen, beatlastig und mitreißend, aber gleichzeitig so intelligent, dass man nicht das Gefühl hat, eine belanglose, inhaltsleere Geschichte nach der nächsten vorgekaut zu bekommen. In Zeiten, in denen Kolleg*innen wie Charli xcx zur Messlatte für ebenso tiefgehende wie massentaugliche Clubmusik geworden sind, muss man aber eben auch etwas bieten. „Louder, Please“ tut das. Die LP ist gespickt mit Melodien, die schnell im Gedächtnis bleiben. Die zugänglich sind und doch Reibung erzeugen. Dabei versprüht Rose Gray mindestens so viel Energie wie ihre Vorbilder Madonna, Robyn und Kylie Minogue. Emanzipiert und unerschrocken kündigt sie an, eine feste Größe im Popgeschäft werden zu wollen. „Louder, Please“ ist ein gutes Fundament, um diesen Traum zu verwirklichen.


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