Da sage noch einer, marginalisierten Gruppen wie der LGBTIQ*-Community mangele es an lauten, eindringlichen Stimmen: JUNOKILL beweist mit „MIMICRY“ das Gegenteil.
Mimikry ist ein beeindruckendes biologisches Phänomen. Durch die Nachahmung von Merkmalen bedrohlicher Tiere oder Pflanzen – zum Beispiel Farben, Formen oder Gerüche – schützen sich manche Arten vor Fressfeinden oder verschaffen sich anderweitig Vorteile im ständigen Kampf ums Überleben. Ähnliches gilt für die Musikindustrie. Ständig drohen Künstler*innen von gierigen Plattenbossen übers Ohr gehauen oder von Kolleg*innen aus dem Rampenlicht gedrängt zu werden. Da den Kopf über Wasser zu halten und nicht unterzugehen, ist keine leichte Aufgabe und erfordert viel Kraft, Mut und Kreativität. Berenike Wuher alias JUNOKILL bringt zum Glück genau diese Eigenschaften mit und weiß sich sowohl als Musikerin als auch als queere Frau in einer von heteronormativen Werten, Diskriminierung und Gewalt geprägten Welt zu behaupten. Obwohl sie im Titel ihres zweiten Albums „MIMICRY“ auf die Metapher des eingangs beschriebenen Phänomens zurückgreift, wirkt die LP keineswegs wie eine Kopie der Werke anderer. Tessloff verfolgt eine klare stilistische Linie. Sie wirkt emanzipiert und selbstbewusst. So selbstbewusst, dass sie ihrem Progressive-Rock-Electronica-Gemisch sogar einen eigenen Namen gegeben hat: Astropunk. Tatsächlich haben die neun Songs sowohl etwas Revolutionäres als auch etwas Futuristisches an sich und dehnen sich mit fast archaischer Anmut aus. Wie das Universum. Gleichzeitig durchquert die Platte die Territorien von Psychedelica, Grunge und Avantgarde-Pop. Mächtige Genres, mit denen man umgehen können muss. Aber JUNOKILL schafft das, weil sie daran glaubt, dass es beim Musikmachen darum geht, sich mit Klangwelten zu verbinden und eins mit ihnen zu werden. Darum, keine Angst vor der Aufgabe zu haben, sondern diese als Chance zu begreifen, einen neuen Bewusstseinszustand zu erreichen. „MIMICRY“ dokumentiert die Metamorphose eines Albums, das sich mit Hilfe seiner Schöpferin in eine akustische Naturgewalt verwandelt.


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