Schlagzeuger, Komponist und Performer: Matze Pröllochs ist ein Multitalent und kein Unbekannter. Zusammen mit Charlotte Brandi hat er als Duo Me and My Drummer zwei Alben veröffentlicht und damit die Aufmerksamkeit von Presse und Fans auf sich gezogen. Nun ist es Zeit für sein erstes Soloalbum. „Birth No Birth“ ist eine Sammlung von neun überwiegend instrumentalen Stücken, die die ganze Bandbreite des Alternative-Pop ausschöpfen – von sanften Klängen über Melancholie bis hin zu Experimentierfreude und Verspieltheit. Pröllochs versteht sein Handwerk, scheint aber gleichzeitig auch den nötigen Zugang zu seinen Emotionen gefunden zu haben, denn „Birth No Birth“ berührt, geht unter die Haut. Thematisch rückt der Wahlberliner neben dem Wunder der Geburt ein oft tabuisiertes, verdrängtes „Schatten“-Thema in den Mittelpunkt und macht es sichtbar: Fehlgeburten. Wie es ist, sich auf ein Leben zu freuen und es dann gehen lassen zu müssen, noch bevor es das Licht der Welt erblicken konnte, kann wohl nur nachempfinden, wer damit konfrontiert wurde. Und doch regt Martze Pröllochs alle Zuhörer*innen dazu an, seine Melodien und die eigene Vorstellungskraft zu nutzen, um sich in entsprechende Schicksale einzufühlen. Ein intensiver Prozess, der im besten Fall zu mehr Empathie und Verständnis führt. Ab Freitag ist „Birth No Birth“ sowohl digital, als auch auf CD und Vinyl erhältlich. Im Zuge der Promotion rund um die Platte haben wir Matze Pröllochs gefragt, ob er sich vorstellen könnte, für unsere Rubrik „Gecovert“ eine exklusive Neuinterpretation eines von ihm geschätzten Songs einzuspielen. Er sagte zu und entschied sich für „Earth Wanted Plastic She Didn’t Know How to Make It“, das im Original von der Singer-Songwriterin Johanna Amelie stammt und sich mit den Folgen der Umweltverschmutzung beschäftigt. Das Ergebnis ist ein beeindruckendes Cover.
Matze Pröllochs – Earth Wanted Plastic She Didn’t Know How to Make It
Warum hast du dich für dieses Lied entschieden?
Mir gefällt der Text zu Beginn unheimlich. Soweit ich weiß, ist es ein Zitat, das Johanna zu diesem Lied inspiriert hat. Ich finde es gut, dass sie dieses Thema in ihrer Musik verarbeitet. Es ist eines meiner Lieblingslieder von Johanna und die Melodie im Refrain blieb bei mir total hängen. Außerdem erinnert mich das Buchstabieren, das man hören kann, immer an „Billy Holiday“ von Warpaint – bestimmt auch kein Zufall. Ich weiß nämlich, dass Johanna den Song auch mal gecovert hat.
Was waren die Herausforderungen bei der Übersetzung des Tracks in deine eigene Klangwelt?
Es ist alles total chaotisch geworden, weil ich so viele Ideen hatte und das Stück damit total überfrachtet habe. Ich musste also ziemlich aufräumen. Es ist immer noch ganz schön viel los. Wie bei einem Strand, an dem zu viel Plastik angeschwemmt wurde.
Inwiefern passt das Lied stilistisch und lyrisch zu deinen eigenen Werken?
Für das Theater mache ich oft Arrangements von anderen Songs. Da nehme ich mir sehr viele Freiheiten. Eigentlich finde ich es spannend, etwas zu nehmen, das weit weg von mir ist. Aber das ist bei diesem Stück nicht der Fall. Die Ästhetik ist mir näher und das Lied ist einfahc super schön.
Wie zufrieden bist du mit dem Resultat?
Ich höre es mir selbst gerne an, insofern kann ich sagen, dass ich zufrieden bin. Trotzdem könnte ich noch ewig daran feilen. Manchmal ist es nicht so einfach, etwas als fertig zu bezeichnen und loszulassen.
Was magst du generell am Covern?
Es gibt so viel gute Musik. Und deswegen braucht es meistens keine Cover, das ist meine Meinung. Aber manchmal entstehen einfach wahnsinnig interessante Sachen. Vor einiger Zeit habe ich am Thalia Theater in Hamburg zusammen mit Inéz von der Band ÄTNA Musik für eine Inszenierung nach einem Buch von Benjamin von Stuckrad-Barre gemacht. Stucki inszeniert sich gerne zu Falcos „Out Of The Dark“. Das ist überhaupt nicht mein Geschmack. Aber aus verschiedenen Gründen hat es Sinn gemacht, das aufzugreifen. Unsere Live-Version basiert auf gechoppten Vocal-Samples und balanciert ganz gut auf dem schmalen Grat zwischen Trash und Style, während es auf der Bühne in Strömen regnet und ein Chefredakteur vor einem Gruselschloss einer Herde tangotanzender Vampire zum Opfer fällt.
Welches Cover gefällt dir besser als das Original?
Die „Believe“-Version von Okay Kaya finde ich unheimlich schön und wer unter all dem 90er Autotune Cher-Style noch nicht gemerkt hat, wie großartig dieser Song ist, der merkt es spätestens hier.

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