Der gemeine Musikkritiker hat hohe Erwartungen an die Schützlinge von Italians Do It Better. Juno Francis können diese mit ihrem Erstlingswerk „Melancholia“ voll und ganz erfüllen.
Über die Qualitäten des Tastemaker-Labels Italians Do It Better ist schon viel gesprochen worden. Tatsächlich konnte die Plattenfirma in den letzten Jahren mit Acts wie Glass Candy, den Chromatics oder Desire überzeugen und einen internationalen Erfolg nach dem nächsten feiern. Beginnend mit dem Soundtrack zum Film „Drive“, auf dem sich gleich mehrere ihrer Acts versammelten. Schwerpunktmäßig bietet das Label, das in Portland und West-Hollywood beheimatet ist, Künstler*innen der Genres Synthpop, Postpunk und Italo Disco ein Zuhause. Dazu gehört auch das in Berlin lebende schwedische Duo Juno Francis, das Einflüsse aus all diesen Musikrichtungen gekonnt aufgreift. Mit ihrem Debütalbum „Melancholia“ wagen Angelica Ranåsen und Jacob Fagerstål einen Blick zurück in die Vergangenheit. Durch ein romantisch verklärtes Kaleidoskop schauen sie dabei auf unterschiedlichste Erinnerungsfetzen. Von seelischen Zusammenbrüchen bis hin zu Momenten der Euphorie. Musikalisch begleiten sie diesen Prozess mit Retrosounds und viel akustischem Glitzer. Ihre Platte klingt, als wäre sie schon in den Achtzigern in den angesagtesten Underground-Clubs aufgelegt worden. Ranåsens Gesang gleitet lässig über ein Meer aus mal tosenden, mal seichten Synthesizern, die Wellen schlagen. Tracks wie die Vorabsingles „All I Need“, „Fading Memories“ und „My Armageddon“ sorgen dafür, dass man sich als Zuhörer*in vor dem inneren Auge schnell auf einem von Stroboskoplicht erhellten Dancefloor wiederfindet, um dort ausgelassen zu feiern und mit den lasziven Melodien zu verschmelzen. Wie vielen ihrer Labelkolleg*innen gelingt es auch Juno Francis, ihre Tracks mit einer Attitüde zu versehen, die in einem eine tiefe Sehnsucht nach Ausgelassenheit weckt. Gepaart mit Coolness und Understatement reiht sich „Melancholia“ so nahtlos in den beeindruckenden Katalog von Veröffentlichungen ein, die Italians Do It Better zum Kritikerliebling gemacht haben.


Kommentar verfassen