Nur noch wenige Tage, dann erscheint „Unknown Waters“, das neue Album von Anna Hauss. Ein guter Grund, sich Anna zu schnappen und ihr ein paar Fragen zu stellen, zumal die Berlinerin bald auf Tour geht und wir sie als Präsentationspartner begleiten dürfen. Wir sind gespannt, wie die Reaktionen auf Platte und Live-Shows ausfallen werden, denn beides verspricht Großes!
Anna, wie geht es dir? Was bewegt dich?
Ganz gut, ich bin gerade viel mit den Vorbereitungen und Planungen für die Veröffentlichung beschäftigt. Mich bewegen inspirierende Gespräche, gute Musik – vor allem live – und wenn Leute von meiner Musik berührt werden und ich das auch spüren kann.
„Unknown Waters“ ist ein Album über das Unbekannte. Was fasziniert dich daran und warum war es gerade jetzt an der Zeit, sich damit zu beschäftigen?
Das letzte Jahr war ein bisschen unklar für mich und ich hatte nicht viele konkrete Pläne, außer dass ich mein zweites Album fertigstellen wollte. Ich habe viel darüber nachgedacht, ob ich an einen anderen Ort ziehen möchte und ob das New York sein könnte. Dann war ich im Herbst dort und mir wurde klar, dass ich länger bleiben wollte. Aber bis dahin war ich sehr unruhig. Mir wurde auch wieder bewusst, dass das Leben als Musiker*in immer viel mit Ungewissheit zu tun haben wird, und ich habe versucht, noch mehr darauf zu vertrauen, dass das Richtige kommen wird.
Warum kann es sich aus deiner Sicht lohnen, sich mit den eigenen Unsicherheiten und Ängsten auseinanderzusetzen?
Ich glaube, dass man viel über sich selbst lernen kann, wenn man sich seinen Ängsten stellt und die eigenen Unsicherheiten akzeptiert. Das ist aber auch keine leichte Aufgabe und es braucht Zeit, sich damit auseinanderzusetzen. Manchmal bin ich auch ein bisschen ungeduldig und will sofort wissen, was los ist. Aber ich glaube, wenn man sich selbst besser versteht, kann man auch besser mit anderen umgehen.
Im Pressetext zu „Unknown Waters“ steht, dass es sich um ein Gitarrenalbum handelt. Viele werden jetzt wahrscheinlich an ein Folk- oder Singer-Songwriter-Album denken. Wo würdest du die LP stilistisch einordnen?
Ich würde sagen, dass das Songwriting im Vordergrund steht und die Musik versucht, die Inhalte zu unterstreichen. Musikalisch würde ich es als Indie/Alternative mit Soul- und Folkeinflüssen beschreiben.
Wer oder was inspiriert dich?
Inhaltlich inspirieren mich meist Erlebnisse mit Menschen aus meinem Umfeld, vor allem intensive, manchmal auch kurze Begegnungen. Ich beobachte gerne, was in mir und in der Welt passiert und spinne die Geschichten dann in meinen Songs weiter. Ich habe auch musikalische Vorbilder und ich glaube, dass das viel mit der eigenen Musik macht, auch wenn man es nicht sofort hört. Bei mir gibt es meist 1-2 Künstler*innen, die mich besonders inspirieren. Im Moment sind das Allegra Krieger und Nilüfer Yanya.
Zu den 15 Songs hast du auch Videos produziert. Wie wichtig ist das Visuelle in deiner Arbeit?
Der visuelle Aspekt ist schon sehr wichtig, denn erstens geht es in den Medien sehr viel um das Visuelle und zweitens kann man die Musik auf einer anderen Ebene noch weiter gestalten. Wir haben die 15 Musikvideos so aufgebaut, dass man sie am Stück anschauen kann und so das Album als Gesamtkunstwerk noch mehr zur Geltung kommt.
Du gehst demnächst auf Tour und wir haben die wunderbare Gelegenheit, das zu präsentieren. Was magst du besonders an Live-Auftritten?
Mir gefällt, mit Leuten zusammenzukommen und eine Art Raum zu schaffen. Es ist spannend zu sehen, wie sich die Songs auf der Bühne noch einmal anders entwickeln. Außerdem genieße ich es, mit meiner Band zu spielen.
Was wünschst du dir für die kommenden Konzerte?
Ich wünsche mir vor allem, dass wir eine gute Zeit haben und dass viele Leute zu den Konzerten kommen.
Deine Musik wird immer wieder gerne damit beworben, dass du den Song „I Can’t Remeber Love“ für die Netflix-Serie „Das Damengambit“ beigesteuert hast. Fluch oder Segen?
Ich würde sagen, eher ein Segen, denn der Song hat mir neue Türen geöffnet und es war eine tolle Erfahrung, ihn zu schreiben und in der Serie zu performen. Auf der anderen Seite erwarten einige Leute, dass meine Musik mehr wie „I Can’t Remeber Love“ klingt und das ist nicht so der Fall.
Wie kann man als Musiker*in in einer Welt, die derart von Input überflutet ist, noch auf sich aufmerksam machen, ohne sich zu sehr zu verbiegen?
Das ist eine gute Frage. Ich versuche einfach, mein Ding durchzuziehen und regelmäßig neue Sachen zu veröffentlichen. Aber es ist schwierig geworden, vor allem, wenn man eher Musik zum Hören macht.
Du bist Berlinerin. Wie erlebst du privat und wie als Künstlerin den Wandel der Stadt?Ich erlebe Berlin heute als Treffpunkt verschiedener Szenen und fühle mich manchmal etwas verloren. Gleichzeitig schätze ich die Vielfalt sehr. Ich habe hier meine Familie, gute Freund*innen und meine Band – aber es ist komplizierter geworden, sich regelmäßig zu sehen, seit ich nicht mehr zur Schule gehe und dann für ein paar Jahre zum Studium nach Leipzig gezogen bin. Vor allem seit der Pandemie haben sich die Dinge noch mehr verändert. Es ist manchmal schwer, Leute zu Konzerten zu bekommen, natürlich auch, weil es ein großes Angebot gibt, aber auch das Interesse weniger geworden ist. Und dann sind da natürlich die Kürzungen im Kulturbereich, die es schwieriger machen, Projekte zu realisieren.

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