Klangspektakel: „Every Dawn’s a Mountain“ von Tamino baut Brücken zwischen verschiedenen Kulturen, statt sie einzureißen, und zeigt, was uns alle verbinden könnte: die Leidenschaft für Musik.
Mit seinem dritten Album „Every Dawn’s a Mountain“ wirft Tamino-Amir Moharam Fouad, kurz Tamino, eine interessante Frage auf: Braucht es Zerstörung, damit etwas Neues entstehen kann? Der beglisch-ägyptische Sänger strickt seine Platte rund um die Symbolik eines alles vernichtenden Feuers – lodernd und gewaltig -, das die Vergangenheit verbrennt und eine fruchtbare Asche hinterlässt, aus der eine bessere Zukunft erwachsen kann. Tamino selbst hat vor kurzem seine Heimat Europa verlassen, um in New York einen persönlichen und kreativen Neuanfang zu wagen. Und doch bleibt er sich auf „Every Dawn’s a Mountain“ stilistisch treu und schenkt uns zehn Stücke, die eine Fusion aus Indie-Rock und Klängen aus Tausendundeiner Nacht sind. Der Enkel des legendären Filmstars und Musikers Muharram Fouad zeigt, dass er in der arabischen Welt ebenso verwurzelt ist wie in den Gefilden, in denen die Beatles, die Rolling Stones oder Bob Dylan schöpferisch tätig waren. Wie exzellent er dieses Spannungsfeld zu nutzen weiß, zeigt „Every Dawn’s a Mountain“ noch stärker als sein Vorgänger „Sahar“ (2022) und schlägt damit den Bogen zu seinem Debüt „Amir“ von 2018. Tamino spielt wieder mehr mit Kontrasten, stellt düstere Songwriter-Balladen neben euphorisch aufgeladene Stücke, in denen Instrumente aus den Breitengraden rund ums Rote Meer zu hören sind. Dabei spart der 28-Jährige nicht an Opulenz und liebäugelt neben frischen experimentellen Sequenzen sogar ein wenig mit dem Mainstream-Folkpop, was besonders in einem Duett mit Kollegin Mitski („Sanctuary“) deutlich wird. Unabhängig von der eingangs aufgeworfenen Frage bleibt festzuhalten, dass „Every Dawn’s a Mountain“ als Brandbeschleuniger Emotionen und Gedanken befeuert. Ein starkes Album eines ebenso starken Talents und ein weiterer Meilenstein in der vielversprechenden Karriere von Tamino.


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