REVIEW: MARINA „PRINCESS OF POWER“

MARINA ist das, was Katy Perry gern wäre: eine ernstzunehmende Künstlerin, die sich süßem Bubble-Pop bedient, diesen mit gewichtigen Texten über Female Empowerment verknüpft und dabei vollkommen authentisch wirkt. Das beweist auch „PRINCESS OF POWER“.

Der Frühsommer ist klassischerweise die Zeit für große Pop-Alben – und davon gibt es dieser Tage so einige. Oder zumindest Platten, die gern entsprechenden Status erlangen würden. Denn nicht alles, was glänzt und glitzert, ist auch auditives Gold. Wie immer gilt es also, die Spreu vom Weizen zu trennen. Eine, deren Karriere mittlerweile volljährig geworden ist und die bereits mit ihrem Debütalbum gezeigt hat, dass sie Pop mit Tiefgang machen kann, ist die aus Wales stammende Marina Lambrini Diamandis. Erst als Marina and the Diamonds, später dann schlicht unter ihrem Vornamen MARINA, eroberte die Sängerin und Songwriterin den Mainstream und die Independent-Szene gleichermaßen, weil sie zwar zugängige Melodien benutzt, diese aber lyrisch zu unterfüttern weiß. Gerne mit Gedanken zur Rolle der Frau in unserer Gesellschaft. Auf ihrer neuen LP „Princess of Power“ (kurz: POP) befasst sie sich aber auch mit Überlegungen darüber, wohin sich unsere Welt entwickelt und was es braucht, um nicht auf Abwege zu gelangen. MARINA ruft zum Widerstand auf! Sie ermutigt uns als Hörer*innen, Kraft zu finden und für unsere Werte einzustehen, auch wenn es anstrengend ist und manchmal wenig erfolgversprechend scheint. Schließlich kann uns kein egomaner Präsident, kein diktatorischer Führer, aber auch niemand in unserem direkten Umfeld nehmen, was wir im Innersten fühlen. Vor allem nicht, wenn es Liebe statt Hass ist. „PRINCESS OF POWER“ brilliert durch groß angelegte Melodien und Instrumentierungen. Diamandis spart weder an elektronischer Klangopulenz noch an treibenden Beats. Zwar gibt es durchaus auch ruhigere, sphärischere Momente auf dem Album (z.B. „METALLIC STALLION“, „HELLO KITTY“ und „ADULT GIRL“), der Grundton ist jedoch durchweg energetisch. Genau das macht den Reiz der LP aus. Sie weckt Lebensgeister und regt gleichzeitig zum Nachdenken an. Nicht zuletzt, weil MARINA kein Blatt vor den Mund nimmt und mit ihrer charakteristischen, mal operettenhaften, mal rockigen Stimme auch expliziter wird. Um aufzuwecken, nicht der reinen Provokation wegen. Stilistisch bewegt sie sich gekonnt durch die letzten 30 Jahre Popgeschichte, nutzt gängige Spielarten, scheut aber auch Experimente nicht. Selbst wenn sie die momentan omnipräsenten Vocoder-Effekte und Gesangsverzerrungen nutzt, die die Musik der 20er Jahre dominieren, tut sie das mit Finesse und findet genau das richtige Maß, damit ihre Musik nicht plakativ oder gar karikiert wirkt (z.B. „I <3 U“, „DIGITAL FANTASY“, „EVERBODY KNOWS I’M SAD“). Man darf „PRINCESS OF POWER“ also ganz getrost das Prädikat „wertvoll“ verleihen und sich sowohl an der Tanzbarkeit dieser Platte als auch an der darunter liegenden Gesellschaftskritik erfreuen. Wieder einmal hat MARINA den schwierigen Spagat gemeistert, sich weiterzuentwickeln und trotzdem den Esprit ihrer Anfänge und ihres grandiosen Erstlingswerks „The Family Jewels“ (2010) zu bewahren.


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