REVIEW: Lorde „Virgin“

Mit „Virgin“ besinnt sich Lorde auf das, was ihr in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit einer großen Fangemeinde sichern konnte, und legt eine wenig überraschende, aber durchaus hörenswerte LP vor. Unschuldig, wie der Titel vermuten lässt, ist das jedoch nicht! Sondern eher berechnend!

Wie sehr sollte man sich aufgrund der Meinungen von außen verändern? Für Popstars ist das nicht nur eine persönliche, sondern auch eine existenzielle Frage. Denn ihr Einkommen hängt eben davon ab, dass Menschen ihre Songs streamen, Alben kaufen und Konzerte besuchen. Nachdem Lorde aufgrund eines Talentwettbewerbs in ihrer Schule entdeckt wurde und bereits mit 12 Jahren unter die Fittiche von Universal Music geriet, stellte sich der gewünschte Erfolg schnell ein. Mit einem klassischen Aufbauvertrag, wie er in den Neunzigern und frühen Nullerjahren noch üblich war, investierte das renommierte, weltweit agierende Label in die Karriere des jungen Talents und konnte ihr schließlich auch fern ihrer Heimat Neuseeland zu internationalem Starruhm verhelfen. Lordes erste beide Alben wurden zu massiven Kassenschlagern und erreichten mehrfach Platinstatus. 2021 folgte mit „Solar Power” ein weiterer kommerzieller Erfolg, der allerdings nicht an die Zugkraft der Vorgänger anschließen konnte und von der Kritik eher gemischt aufgenommen wurde. Es gab Stimmen, die behaupteten, die LP besäße wenig Relevanz und stelle nicht mehr als eine sonnige Gute-Laune-Platte dar. Die 28-Jährige nahm sich diese Worte zu Herzen und verkündete über ihre Social-Media-Kanäle, dass sie sich wieder stärker darauf konzentrieren wolle, große Pophymnen zu schreiben. „Virgin“ soll dieses Versprechen nun einlösen. Tatsächlich ist der Pathos innerhalb der elf Songs deutlich präsenter als auf „Solar Power“. Was vielleicht auch daran liegen mag, dass Lorde auf textlicher Ebene ihre körperlichen und geistigen Leiden betrachtet. Begleitet von discotauglichen, leicht retroaffinen Electro-Beats à la Robyn oder Charli XCX, mit der sie im letzten Jahr für eine Neuauflage des „Brat“-Tracks „Girl, So Confusing“ zusammenarbeitete, versucht sie gleichzeitig, den vorherrschenden Trends der Musikbranche gerecht zu werden. Was ihr zu gelingen scheint! Schaut man sich nämlich an, wie die ersten drei Singleauskopplungen von „Virgin“ („What Was That“, „Man Of The Year“ und „Hammer“) aufgenommen wurden, haben sie schon vor Album-Release viele der Tracks auf „Solar Power“ in puncto Aufrufzahlen überholt. Wer Lorde nun Kalkül vorwerfen will, dem sei gesagt, dass ihre gesamte Karriere genau darauf beruht. Allerdings gepaart mit einem nicht zu unterschätzenden Gesangstalent und einem Gespür für mitreißende Melodien. „Virgin” mag zwar kein Wagnis sein, die Platte funktioniert aber trotzdem. Vor allem jetzt, wo der Sommer uns dazu einlädt, rauszugehen und ein beschwingtes Leben zwischen Ausflügen zum See, Chill-Sessions auf dem Balkon und Barbesuchen in lauen Nächten zu leben.


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