REVIEW: DOTA „Springbrunnen“

Wenn schon deutsche Musik, dann bitte von DOTA! Auf „Springbrunnen“ demonstriert die Sängerin und Songwriterin erneut, was unsere Muttersprache alles kann, wenn man die Auseinandersetzung mit ihr beherrscht.

Ein deutschsprachiges Album, das auf EINEN HAB ICH NOCH vorgestellt wird? Das ist wirklich selten! Wenn wir aber Offenheit predigen – vor allem akustisch gesehen –, dann müssen wir diese auch leben und uns ab und zu aus unserer gemütlichen Komfortzone hinaus bewegen. Mit wem wäre das einfacher als mit der selbsternannten Kleingeldprinzessin Dota Kehr? Nachdem sie sich auf den letzten Alben mit dem Werk Mascha Kalékos auseinandergesetzt und diesem gehuldigt hat, was zweifellos positiv abgefärbt hat, taucht die Berlinerin nun wieder in ihren eigenen Kosmos und allem drumherum ein. Von der weltpolitischen Lage bis zur alltäglichen Zwischenmenschlichkeit. „Eintauchen“ trifft es dabei ganz gut, denn „Springbrunnen“ ist ein spritziges, fließendes, definitiv erfrischendes Album. Als ehemalige Straßenmusikerin weiß Kehr, dass Songs die Aufmerksamkeit schnell fesseln müssen, damit Passanten stehen bleiben und nicht weitergehen. Das ist auch in Zeiten von Streaming und Co. wichtig, wo Algorithmen unseren Geschmack stärker denn je zu bestimmen versuchen. Es braucht folglich Elemente, die zunächst irritieren, dann begeistern und Lust auf mehr machen. Im Fall ihrer neuen LP sind das zweifellos die wunderbar inszenierten Instrumentierungen. Da trifft klassisches Liedermacher*innentum auf funkig-elektronische Impulse, verträumten Pop, fiebrige Psychedelic-Soul-Grüße, energetischen Rock, Jazz-Fragmente und teils hip-hopartige Gebärden (z. B. bei „Milliardäre Reprise“). Ein ebenso buntes wie interessantes Soundgemisch, das irgendwo zwischen Wir sind Helden, Gerhard Schöne und Element of Crime angesiedelt ist. Ob ihr diese Vergleiche zusagen oder gar gerecht werden, sei dahingestellt. Festhalten kann man aber, dass DOTA besonders durch das zugrunde liegende lyrische Talent begeistert, wenn man sich – nach Verklingen des ersten Eindrucks – näher mit dem Projekt um Frau Kehr und im Besonderen mit „Springbrunnen“ beschäftigt. Denn neben all den herrlich verspielten Melodien ist das der wirklich beeindruckende Kern des Werks. Als begabte Wortakrobatin packt DOTA ihre Gedanken in Zeilen, bei denen es völlig egal ist, welche man herausgreift, um zu beweisen, dass sie es in sich haben. Immer ein Treffer! Das gilt auch auf Albumlänge, also über 13 Titel hinweg, wenn man die Standardvariante von „Springbrunnen“ betrachtet. Es gibt die Platte nämlich auch als liebevoll gestaltetes Doppelalbum mit der Bonus-LP „Der Regen“. Somit wäre alles gesagt, was gesagt werden sollte. Wir nutzen jetzt den Rest des sonnigen Nachmittags, an dem diese Rezension geschrieben wird, um DOTA weiter zu lauschen, wie sie ihre cleveren Texte mal flüstert, mal singt, mal vorträgt und manchmal sogar aus den Tiefen ihres Herzens herausschreit.


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