Alles auf Anfang und doch weiter in Richtung kreativer Selbstverwirklichung: Mit „When I’m Holding You I’m Holding Me“ macht Phia Exiner wieder das, was sich für sie richtig anfühlt – und kann genau dadurch Begeisterung wecken und Halt schenken.
Es ist schon ein paar Wochen her, da veröffentlichte Phia Exiner ihr neues Album „When I’m Holding You I’m Holding Me“. Eine Platte, die es durchaus wert ist, dass man sich etwas länger mit ihr beschäftigt, als es in unserer schnelllebigen Konsumwelt oft der Fall ist. Während die Australierin zu Beginn ihrer Karriere vor allem durch die Kombination aus Kalimba – einem traditionell afrikanischen Instrument, bei dem Lamellen gezupft werden – Gesang und Loop-Station auf sich aufmerksam machte, geht „When I’m Holding You I’m Holding Me“ stilistisch ganz andere Wege. Phia kehrt zu ihren musikalischen Wurzeln und zum Klavier zurück. Denn schließlich ist dieses auch der Grund, warum ihre Liebe zur Musik überhaupt keimen und gedeihen konnte. Schon als Kind spielte ihre Mutter dem jungen Mädchen Lieder auf dem Tasteninstrument vor. Das ermutigte Phia – neben anderen Gründen – schließlich, Jazzpiano zu studieren. „When I’m Holding You I’m Holding Me“ präsentiert eine Künstlerin, die gänzlich in ihrer Mitte angekommen zu sein scheint. Und das, obwohl sie während des Schreibens, Komponierens und Einsingens der neun Songs ihren neugeborenen Sohn versorgte. Vielleicht war es genau dieser Moment der Ruhe, wenn der Kleine schlief und sie Zeit hatte, sich ans Klavier zu setzen, den „When I’m Holding You I’m Holding Me“ einfängt und sofort der eine positive Wirkung auf Puls und Herzschlag hat. Weniger verspielt, dafür gereifter und reflektierter als frühere Werke erforscht die Platte neue Identitätsaspekte, die das Älterwerden und Muttersein mit sich bringen. Wir hören Phia, die sich im Zuge der Veröffentlichung von „When I’m Holding You I’m Holding Me“ entschied, ihren Nachnamen in ihr Künstlerin-Alterego zu integrieren, dabei zu, wie sie persönlich wächst und sich weiterentwickelt. Wie sie ein Stück unbeschwerte Naivität durch einen Realitätsbezug austauscht, den sie mit positiven Gedanken und Hoffnungen zu unterfüttern versucht. Die Tracks der Platte wirken durchdacht und kraftvoll. Sie sind durchaus denen von Kolleginnen wie Tori Amos, Regina Spektor oder Feist würdig, an die sie hier und da erinnert. Wenn dann auch noch Phias Version von „Pure Shores” – im Original von den All Saints – erklingt, ist die Illusion perfekt: Man kann sich förmlich direkt neben dem Klavier wiederfinden, mit dem Arm und dem Ohr daran gelehnt und den Verstand auf eine Reise schickend. Genau im richtigen Moment ist es Phia wieder einmal gelungen, statt auf Sicherheit zu bauen und dem kreativen Stillstand zu verfallen, einer interessanten Wendung zu folgen. Ungeachtet dessen, was hinter der nächsten Ecke lauern mag. Mit dem Selbstbewusstsein, das „When I’m Holding You I’m Holding Me“ transportiert, dürften sich neben der Aufgabe der Erziehung und Begleitung ihres Kindes nämlich auch andere Herausforderungen meistern lassen.


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