REVIEW: Sophie Ellis-Bextor „Perimenopop“

Von wegen alles auf Anfang: Sophie Ellis-Bextor kehrt mit „Perimenopop“ nicht einfach zu ihren Anfängen zurück, sondern sorgt für einen Full-Circle-Moment, der ihr und ihren Hörer*innen neuen Schwung verleiht.

Was für ein Comeback! Mit der Verwendung ihres Hits „Murder on the Dancefloor“ aus dem Jahr 2001 im Überraschungserfolg „Saltburn“ von „Promising Young Woman“-Regisseurin Emerald Fennell begann für Sophie Ellis-Bextor ein Karriereschub, den sich kein Hellseher besser hätte erdenken können. Plötzlich waren sowohl der Song als auch seine Macherin präsenter denn je. Allein auf Spotify verzeichnet „Murder on the Dancefloor” mittlerweile fast 800 Millionen Streams. Für die Britin taten sich derweil etliche Möglichkeiten auf. Die Türen und Tore öffneten sich nicht nur, sie sprangen förmlich auf und zogen Miss Ellis-Bextor magnetenartig in sich hinein: So wechselte sie von ihrem Independent-Label zurück zu Universal Music, jener Major-Plattenfirma, bei der sie zu Beginn ihrer Solokarriere bereits veröffentlicht hatte. Sie spielte ihre bis dato größte und ausgedehnteste Headlinershow mit einem Highlight-Auftritt in der Royal Albert Hall, war in verschiedensten TV-Formaten zu sehen (von „RuPaul’s Drag Race“ bis zu „Interior Design Masters“), modelte für High-Fashion-Magazine und sprang ein, um beim diesjährigen Eurovision Song Contest die Punktewertungen für das Vereinigte Königreich zu verkünden. Bei dem ganzen Wirbel darf eines jedoch nicht untergehen: Sophie Ellis-Bextor hat ein neues Album in den Startlöchern! Und das hat es in sich! Bereits vor dem Hype um „Murder on the Dancefloor” hatte die Londonerin mit der Idee geliebäugelt, stilistisch zurück auf die Tanzfläche zu kehren. „Perimenopop“ tut nun genau das – und zwar so konsequent wie keines ihrer letzten Alben. Während sie auf den Vorgängern eher mit Retropop und melancholisch-schwelgerischem, ätherischem Songwriting experimentiert hatte, sind die zwölf Titel, die dieser Tage – nach fünf Vorabsingles – als Gesamtheit erscheinen, eine Hommage an die Disco-Ära. Mit einem Sound, der sich vor Pionier*innen wie Gloria Gaynor, Donna Summer oder Boney M. verneigt und gleichzeitig frisch und modern wirkt. Auf „Perimenopop“ rollt Sophie Ellis-Bextor einmal mehr ihre Stärken aus. Sie paart ihre ausdrucksstarke Stimme mit eingängigen Hooks und Melodien und setzt auf Up-Tempo-Beats, die fast ausnahmslos zum ekstatischen Tanzen animieren. Damit knüpft sie gekonnt an Fanlieblinge innerhalb ihrer Diskografie an und stellt ihnen Tracks wie „Taste“, „Dolce Vita“ oder „Glamorous“ zur Seite. Diese dürften nicht minder euphorisch vom Publikum aufgenommen werden, da sie eine logische Weiterentwicklung dessen darstellen, was Sophie Ellis-Bextor einst berühmt gemacht hat. Gleichzeitig zeigt die Mutter von fünf Söhnen, die auch als Podcast- und Radiohost tätig ist, dass sie keine 20 mehr ist, sondern als 46-jährige Frau mitten im Leben steht. Der Titel „Perimenopop“ ist eine Referenz an die sich ankündigende Menopause. Diese mag für Sophie Ellis-Bextor zwar ungewohnte Fragen und Herausforderungen mit sich bringen, aber eben auch die Gewissheit, dass sie eine erinnerungsreiche Vergangenheit als sichere Basis zu bieten hat. Die Stärke, die damit einhergeh, macht „Perimenopop“ zu einem ebenso selbstbewussten wie aufregenden, in jedem Moment authentischen und lebensbejahenden Album.


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