Eine klangliche Wundertüte: „Truthbomb“ von Vilde Tuv ist alles andere als gewöhnlich!
Vilde Tuvs Kompositionen trugen maßgeblich dazu bei, dass Emilie Blichfeldts Film „The Ugly Stepsister“ zu einem audiovisuellen Meisterwerk wurde. Die Neuauflage der Aschenputtel-Geschichte aus der Sicht der bösen Stiefschwester schockierte mit Body-Horror-Elementen, die durch die teils völlig konträr gehaltenen, schwelgerisch-verträumten Synthie-Melodien von Vilde Tuv jedoch derart kontrastiert wurden, dass ein bizarrer, interessanter Gesamteindruck entstand. Gleiches gilt auch generell für die Musik der Norwegerin. Durch eine wagemutige Verschmelzung aus Folk, Ambient, Hard-Trance, Electro-Pop und avantgardistischen Elementen fällt Tuv deutlich aus dem Raster dessen, was sonst gerne im Radio gespielt wird oder die Playlisten der Streamingdienste füllt. Im positiven Sinne. Ihr drittes Album „Truthbomb“ macht da keine Ausnahme, sondern bedient sich ebenfalls dieser eigenwilligen Stilistik. Irgendwo zwischen 90er-Techno-Rave, Bubble-Pop-Prinzessinnentraum und mystischer Volkssagen-Ästhetik schwadronieren die zehn Tracks wild umher, wie es auch der Wind am Morgen tut, der dem Album seinen Namen gibt. Ein Wind, der noch frisch und unverbraucht ist und den kompletten Takt für einen Tag vorgeben kann. Wer Vilde Tuv nicht kennt, könnte im ersten Moment durchaus irritiert auf „Truthbomb“ reagieren, denn die Platte ist nichts für ungeübte Hörer*innen, die sich ungern auf Experimente einlassen. Der Spaß entwickelt sich nämlich genau dadurch, dass man sich unvoreingenommen und neugierig darauf einlässt, was Vilde Tuv da zusammengeschustert hat. Anders als bei ihren bisherigen Tracks ist die aus Bergen stammende Komponistin, Produzentin und Songwriterin dabei deutlich stärker durch ihren Gesang zu hören. Dieser ist – wer hätte anderes erwartet – ebenso speziell wie der Rest der Soundkulisse und fügt sich damit hervorragend in das bunt-quitschige Treiben ein. Es lohnt sich definitiv, die eigenen Hörgewohnheiten mit dieser LP etwas herauszufordern und im besten Fall zu erweitern!


Kommentar verfassen