REVIEW: Sarah McLachlan „Better Broken“

Sarah McLachlan führt uns mit „Better Broken“ zurück in die bewegten Neunziger, in denen sie für all die Adeles, Taylor Swifts und Lana Del Reys von heute eine wichtige Lanze brach.

Die Bedeutung eines Künstlers oder einer Künstlerin für die Popgeschichte geht nicht automatisch mit der Lautstärke seiner oder ihrer Musik oder der Anzahl der darin befindlichen Paukenschlägen einher. Manchmal sind es subtilere Zeichen, die die Relevanz verdeutlichen. So auch im Fall von Sarah McLachlan, die mit ihrer sphärischen Stilistik die Popmusik der 90er Jahre prägte und darüber hinaus vor allem eine Vorreiterinnenrolle für ihre Kolleginnen einnahm. Denn McLachlan förderte schon immer Frauen im Business und veranstaltete 1997 mit „Lilith Fair” sogar ein Festival, bei dem ausschließlich weibliche Acts auf der Bühne standen, darunter u. a. Sheryl Crow, Tracy Chapman und Alanis Morissette. Was für ein Statement in Zeiten, in denen die Branche – wie viele andere auch – noch derart männlich dominiert war, das kaum jemand dazu den Mut gefunden hätte! Auch McLachlans Alben – vor allem zu ihrer Hochphase – räumten alle wichtigen Preise ab und wurden zu Verkaufsschlagern. Aufgrund ihrer Mischung aus Intimität, Ernsthaftigkeit und Eingängigkeit wurde sie für viele jüngere Musikerinnen zum Vorbild und zur Wegbereiterin. Sie ist definitiv eine Schlüsselfigur dafür, leidenschaftliche Singer-Songwriter-Stücke im Mainstream zu platzieren und weiblichen Stimmen ein größeres Sprachrohr zu verleihen. Fast zehn Jahre sind seit McLachlans letztem Album „Wonderland“ (2016) vergangen, weshalb ihre Fans den Nachfolger „Better Broken“ sicher sehnlichst erwarten. Dieser bietet alles, wofür die Kanadierin seit jeher steht: gefühlsbetonte Melodien, reflektierte und fein ausgearbeitete Texte sowie Gesänge, die nach wie vor eine breite Range bedienen und schnell genau dort andocken, wo die emotionalen Zentren im Gehirn sitzen. Irgendwo zwischen Country, Folk, Softrock und ätherischem Pop schlängeln sich die elf Titel in Richtung akustischer Vergangenheit. Eine Klangrevolution starten sie dabei allerdings nicht, was auch nicht zu erwarten ist – schließlich hat Sarah McLachlan bereits eine solche Revolution angeführt und damit grundlegend etwas verändert. Als Hörer*in kann man sich stattdessen über diese schöne Erweiterung ihrer Diskografie freuen und zusammen mit Sarah McLachlan einen Blick auf den aktuellen Stand der Welt werfen. Dieser fällt – egomanen und gefährlichen Patriarchaten sei Dank – eher kritisch aus. Deshalb soll „Better Broken“ Erleichterung und Befreiung schenken und den Fokus auf Lichtblicke richten. Das gelingt über die Dauer von 46 Minuten definitiv!


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