Subtile Grandezza: Patrick Watson versteht es, aus wenig viel zu machen. Beinahe hätte es nicht einmal seinen Gesang als Grundlage für sein neues Album „Uh Oh“ gegeben.
Was macht man als Sänger*in, wenn man eines Morgens aufwacht und feststellt, dass die Stimme weg ist? Verzweifeln? Einen Arzt aufsuchen? Zu Gott beten? Patrick Watson blieb – wie man es von dem zerzausten Lockenkopf gewohnt ist – erst einmal ruhig und ließ seine Gedanken schweifen. Ganz cool! Während seine Stimmbänder, in denen ein Blutgefäß geplatzt war, dann langsam wieder heilten, arbeitete er bereits an der Verwirklichung einer Vision, die ihm schon seit einiger Zeit im Kopf herumging. Er wollte eine Platte schaffen, auf der Kolleginnen, die er verehrt, zu hören sein würden, da es ja nun aussah, als könne er selbst nicht hinter dem Mikrofon stehen. Von Martha Wainwright über die langjährige Kollaborateurin Ariel Engle (La Force) bis hin zu Charlotte Cardin, Solann, MARO, Klô Pelgag oder November Ultra geben sich auf „Uh Oh“, Watsons neuntem Album, ebenso unterschiedliche wie allesamt spannende Sängerinnen die Studioklinke in die Hand und bereichern es mit ihren Gastbeiträgen. Verbunden und ergänzt werden diese durch Watsons schließlich doch zurückgekehrte Stimmkraft, die mit jeder einzelnen Timbrefarbe wunderbar harmoniert, sowie durch Instrumentierungen, die einmal mehr die kompositorische Stärke des Kanadiers ausrollen. Emotional bewegend, aber nie affektiert oder überdramatisch in Szene gesetzt, gehen die Stücke direkt ins Herz. Dabei wirken sie authentisch und roh, was vielleicht auch daran liegt, dass viele der verwendeten Takes in einem Durchgang entstanden sind, für die nur zwei Mikrofone verwendet wurden, um das musikalische Geschehen einzufangen. Trotz dieser vermeintlichen Limitierung besticht „Uh Oh“ durch eine auditive Tiefe und Mehrdimensionalität, die die LP nahezu lebendig erscheinen lassen. Trotz dieser vermeintlichen Limitierung besticht „Uh Oh“ durch eine auditive Tiefe und Mehrdimensionalität, die die LP nahezu lebendig wirken lassen. Es wirkt nicht wie etwas, das künstlich festgehalten wurde. Vielmehr macht das Album den Eindruck, als dürfe es jedes Mal von Neuem erblühen, sich verändern und dann wieder vergehen, wenn man es abspielt. Watson reflektiert, dass er erst jetzt, nach Jahren des Erfahrungsgewinns, an einen Punkt gelangt sei, an dem er das Können besitze, eine Produktion dieser Art zu erschaffen und die Stücke so klingen zu lassen, wie sie es final tun. Hinzu kommt, dass er sich ausgerechnet ein Hip-Hop-Werk heranzog, um die Rhythmik von „Uh Oh“ festzulegen. Watson studierte nämlich Cardi Bs Single „Up“ und war fasziniert vom Zusammenspiel aus Bassdrum und Hi-Hat. Dieses siziierte er und machte es zum Motiv der Tracks auf „Uh Oh“. Beeindruckend! „Uh Oh“ sucht seinesgleich, was Anmut, Fragilität und lyrischen Ausdruck betrifft!


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