Traut euch wieder mehr, Of Monsters and Men! „All Is Love and Pain in the Mouse Parade“ erreicht leider nicht die Genialität des Debüts der Band.
Liebe und Schmerz sind wie zwei Seiten ein und derselben Medaille. Wenn wir lieben, wenn wir richtig investiert sind, sind wir auch verletzbarer und neigen schneller dazu, Angst zu haben, das zu verlieren, was uns wichtig ist. Wir sind also nur allzu oft in Habachtstellung und vergessen manchmal, das Gefühl, das uns gerade so gut tut, vollends zu genießen und auszukosten. Nun, Menschen sind komplex. Sie sind fehlbar und eben keine Maschinen. Davon kündet auch das vierte Album von Of Monsters and Men. Die Band, die 2012 mit „My Head Is an Animal“ den internationalen Durchbruch feiern durfte, wurde anfangs für ihre Originalität gelobt. Sie verband Folk-Elemente mit Indierock und deutete gleichzeitig große Pop-Momente an, ohne allzu sehr in den Mainstream vordringen zu wollen. Der Erfolg katapultierte die Sängerin und Gründerin des Projekts, Nanna Hilmarsdóttir, ihren Kompagnon Ragnar Þórhallsson und den Rest der Truppe schlussendlich aber genau dorthin. Daran hat sich bis heute nichts geändert – leider zum Schaden der Originalität von Of Monsters and Men. Auch das neue Album „All Is Love and Pain in the Mouse Parade“ lässt das vermissen, was die Isländer einst auszeichnete: ihren stilistischen Wagemut. Die Songs sind zwar hervorragend geschrieben und produziert, wirken aber dennoch irgendwie austauschbar. Es sind Folk-Pop-Tracks, die Emotionalität à la Taylor Swift heraufbeschwören und hier und da mit Beats spielen, die man in ähnlicher Form schon auf dem dritten Album von The xx, „I See You“ (2016), gehört hat. Der Titel der LP ist leider das Experimentellste an „All Is Love and Pain in the Mouse Parade“. Das ist insofern schade, als man den Eindruck gewinnt, dass sich das Quintett unnötig zurückhält und genau das tut, was Verliebte eben auch tun, wenn sie sich Sorgen machen, dass die Verbundenheit zum Gegenüber abnehmen könnte. Sie nutzen altbewährte Formeln, statt sich noch einmal genauso naiv und frei ins Abenteuer zu stürzen wie zu Beginn ihrer Karriere. Aus Sorge, dass es sie sonst ihr Publikum kosten könnte. Die breite Masse dürfte Gefallen an „All Is Love and Pain in the Mouse Parade“ finden. Wer Of Monsters and Men aber dafür bewunderte, dass sie erfrischend anders in den Mittelpunkt der Indie-Szene des noch jungen Millenniums stürmten, wird von diesem Album vermutlich enttäuscht sein.


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