„SHISH“ von Portugal. The Man kann durchaus als Provokation verstanden werden, da sich das Album an vielen Stellen ganz bewusst vom Erfolgsrezept der Band entfernt und die Hörgewohnheiten der Fans auf die Probe stellt.
Portugal. The Man sind ein hervorragendes Beispiel dafür, dass aus einer im Underground bekannten Indie-/Alternative-Rock-Band ein Pop-Phänomen des Mainstreams werden kann, das sich dabei aber nicht um jeden Preis dem Publikum anbiedert. Gleichzeitig steht die Band seit jeher für soziales Engagement, vor allem gegenüber den indigenen Völkern Nordamerikas. Dadurch gönnt man ihr jeden verdienten Cent, der in entsprechende Projekte fließt. „SHISH“, das neueste Album der ursprünglich aus Alaska stammenden und mittlerweile in Portland ansässigen Formation, ist ein Sinnbild für den Mut von Portugal. The Man. The Man, völlig mit dem zu brechen, womit sie den kommerziellen Durchbruch geschafft haben. Während darunter vor allem radiotaugliche Tracks wie „Modern Jesus“, „Feel It Still“ oder zuletzt „Glide“ fallen, geht es auf „SHISH“ ungewohnt hart zur Sache. Da röhren die E-Gitarren in einer Art und Weise auf, die einen – bei der richtigen Lautstärke – förmlich von den Socken reißen dürfte, während geschrien und gekreischt wird. Ein gezielt eingesetztes Element, das durch den süßen, charmanten Gesang von Frontmann John Gourley kontrastiert wird. Er war es auch, der Portugal. The Man vor über 20 Jahren zusammen mit Zach Carothers gründete und auf den ersten Platten wie dem Debüt „Waiter: ‚You Vultures!‘“ (2006) oder „Church Mouth“ (2007) noch ganz klare Post-Hardcore-Referenzen einband, die dann im Laufe der Zeit einem folkigeren und schließlich funkig-poppigen Stil wichen. Nun gibt es aber nicht nur eine Rückkehr zu den Anfängen von Portugal. The Man oder dem zuvor von Gourley und Carothers betriebenen Projekt Anatomy of a Ghost, sondern eine Form der Überkompensation. Als hätten Portugal. The Man die Härte in ihrem Werk derart lange vernachlässigt, dass Tracks wie „Pittman Ralliers“ oder „Mush“ mit ihrem Hardcore-Punk-Charakter akustische Erdbeben auslösen, wohingegen „Knik“, „Tyonik“ oder auch „Tanana“ deutlich bekömmlicher für sanfte Gemüter daherkommen. In diesem Kontrast liegt sowohl die Stärke als auch die Schwäche von „SHISH“. Zum einen demonstrieren Portugal. The Man mit den zehn extrem unterschiedlichen Tracks, dass sie den Sound machen, der sich für sie richtig anfühlt – wobei sie auch das Risiko in Kauf nehmen, Hörer*innen zu verlieren -, andererseits fehlt es der Platte dadurch aber auch an Kohärenz. Manche Titel machen den Eindruck, als verbinde sie rein gar nichts mit dem Rest. Das stört wiederum den Hörfluss, wenn man nicht damit rechnet. Selbst nach mehrfachen Durchläufen verspürt man vielleicht immer noch den Impuls, den einen oder anderen Song überspringen zu wollen. Schlussendlich macht das Album aber etwas mit einem, und das ist die Grundlage von Kunst. Dass sie nicht irrelevant ist, sondern Gefühle beim Konsumenten auslöst.


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