REVIEW: Melody’s Echo Chamber „Unclouded“

Auf „Unclouded“ stellt sich Melody’s Echo Chamber der unausweichlichen Erkenntnis, dass wir als Menschen unserem Schicksal nicht entweichen können und es Sinn stiftet, Freude daran zu finden.

Oft denken wir, dass es darum geht, alles im Leben positiv zu sehen und endlose Hochgefühle zu erzeugen. Dabei droht jedoch die Gefahr, dass wir in einen manischen Zustand geraten, weil unser Gehirn nicht mehr achtsam für Gefahren und frustrierte Bedürfnisse ist. Die wahre psychische Gesundheit liegt im Gleichgewicht. In absoluter Homöostase sind Emotionen abwesend, denn sie weisen uns evolutionär auf Ungereimtheiten in unserem Erleben und Funktionieren hin, die es in diesem Zustand nicht gibt. Von einem Zitat des Ghibli-Schöpfers Hayao Miyazaki inspiriert, der genau darüber philosophierte, dass unsere Aufgabe als Menschen eigentlich darin bestünde, im Bösen das Gute und im Guten das Böse auszumachen, um wahre Harmonie zu erreichen, blickte Melody Prochet auf ihre eigenen Unzufriedenheiten und begriff, dass es an der Zeit wäre, diese Stück für Stück aufzulösen. Anstatt sich also weiter darüber zu mokieren, dass sie das Kindsein hinter sich lassen musste, suchte sie nach der Sinnhaftigkeit des Erwachsenseins und schrieb schließlich ein Album darüber: „Unclouded“. Plötzlich war es ihr möglich, sich nicht mehr in Fantasiewelten zu flüchten, wie sie es auf ihren früheren Platten gern getan hatte. Stattdessen sprengte sie die für ihr Projekt namensgebende Echokammer, ließ Einflüsse von außen hinein und beschäftigte sich zunehmend mit dem, was die Realität – und auch die Vergänglichkeit – an kreativen Impulsen zu bieten hat. Tatsächlich klingt der Sound der zwölf Titel, wenn auch nach wie vor dem Dream- und Psychedelic-Pop zuzuordnen, greifbarer als je zuvor. Tatsächlich klingt der Sound der zwölf Titel, die nach wie vor dem Dream- und Psychpop zuzuordnen sind, greifbarer als je zuvor. Melody’s Echo Chamber hat eine Transformation durchlaufen, die der Musik der Französin neue Tiefe verleiht. Zusammen mit einer Handvoll Kollaborateure fügte Prochet ihren Songentwürfen eine groovige Kantigkeit hinzu, die in Kombination mit ihren zarten Gesängen spannende Kontraste erzeugt. „Clouded“ ist eine gereifte Platte, ein Zugeständnis daran, dass man als Mensch defizitär und trotzdem wertvoll als Produkt der Schöpfung sein kann – wie eine Porzellanvase, die zersprungen ist und deren Einzelteile mit Gold wieder zusammengefügt wurden.


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