REVIEW: TOMORA „COME CLOSER“

Ungezügelt und mutig: Mit ihrem Gemeinschaftswerk „COME CLOSER“ deklarieren Aurora und Tom Rowlands als TOMORA die Unendlichkeit ihrer Kreativität.

Wenn zwei bereits erfolgreiche Künstler*innen miteinander kollaborieren, ist das immer spannend. Man fragt sich schließlich, wie sie ihre kreativen Ideen kombinieren werden. Wird der Input des einen den des anderen übertrumpfen und das Ergebnis dominieren? Wird es zu einer harmonischen Fusion kommen, oder werden sich Brüche und Ungereimtheiten ergeben? Bei TOMORA, dem Projekt der norwegischen Alt-Pop-Sensation Aurora und Tom Rowlands – seines Zeichens eine Hälfte der britischen Electro-Pioniere The Chemical Brothers – ist all das zugleich der Fall! Mal klingen die Stücke auf ihrem Debüt „COME CLOSER“ nach Einigkeit, mal prallen von Grund auf verschiedene Welten aufeinander und sorgen dabei für massive Erschütterungen. Zusammengefunden haben Rowlands und Aurora erstmals auf dem Glastonbury Festival, wo Rowlands – beeindruckt von der Live-Präsenz der jungen Durchstarterin – sie im Anschluss einlud, für ein paar Aufnahmen mit ihm ins Studio zu gehen. Aus jenen Sessions gingen mehrere Gastauftritte Auroras auf dem 2019er-Album der Chemical Brothers, „No Geography“, hervor. Später revanchierte sich Rowlands dann mit einem Beitrag zu Auroras letztem, deutlich experimentellen Album „What Happened to the Heart?“ (2024). All diese Tracks waren jedoch nur wie kleine Steine, deren Bröckeln eine Lawine ankündigt. Und diese Lawine kommt nun in Form von „COME CLOSER“ auf die Hörer*innen zu. Aurora und Tom Rowlands entwarfen eine gleichberechtigte Platte, die von Spannungen, Wendungen und Herausforderungen lebt. Mal melodischer und poppiger, wie bei der Single „SOMEWHERE ELSE“, dann aber an vielen Stellen unheimlich avantgardistisch und gewagt, spannt die LP mit ihren zwölf Tracks einen eklektischen Bogen und führt durch die Pop-, Rock-, Alternative-, House- und Techno-Geschichte der letzten 50 Jahre und darüber hinaus auch wegweisend in die Zukunft. Sie führt durch die Pop-, Rock-, Alternative-, House- und Techno-Geschichte der letzten 50 Jahre und darüber hinaus auch wegweisend in die Zukunft. Dabei lassen sich Einflüsse entdecken, die man vielleicht an einer Stelle Madonnas „Ray of Light“ („I DRINK THE LIGHT“), ein paar Minuten früher noch einer düsteren Mystik à la The Cure oder Anna von Hausswolff („COME CLOSER“), dem lässigen Trip-Hop-Sound Massive Attacks („A BOY LIKE YOU“) und gegen Ende der Platte vielleicht am ehesten der Experimentierfreude von Acts wie Björk („WAVELENGHTS“), The Prodigy („IN A MINUTE“) zuordnen würde. TOMORA zeigen uns, dass sie die Grenzen ihres künstlerischen und stilistischen Spektrums nicht nur sprengen, sondern sich erst gar keine Limitierungen auferlegen. Das ist vor allem dann gewinnbringend, wenn man sich unvoreingenommen auf die Platte einlässt. Gleichzeitig ist aber auch nachvollziehbar, wenn Fans der Herkunftsprojekte der beiden von dieser lauten und energetischen Vielfalt hier und da abgeschreckt sind.


Kommentar verfassen

Entdecke mehr von EINEN HAB ICH NOCH

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen