Camilles „The Sound of Milk“ präsentiert sich als mehrdimensionale, in Klang gegossene Darstellung entwicklungspsychologischer Prozesse.
Camille zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Experimental-Pop-Musiker*innen der Welt. Dies ist unter anderem ihren Auftritten als Gastsängerin bei der französischen Coverband Nouvelle Vague zu verdanken, deren erste Alben sie maßgeblich mit ihrer Stimme prägte. Aber auch ihren Soundtrackarbeiten zu Blockbustern wie „Ratatouille“, „Der kleine Prinz“ und „Emilia Pérez“, wofür sie in der Kategorie „Bester Filmsong“ für den Track „El Mal“ sogar einen Oscar erhielt, befeuerten ihren Ruf als eigenwillige Avantgardistin. Nach „Ouï“ aus dem Jahr 2017 folgt mit „The Sound of Milk“ nun Camilles nächstes reguläres Album – obwohl es zu kurz greift, es rein als ein solches zu bezeichnen, denn es ist weitaus mehr! Und zwar ein zweistündiges Triptychon, das in drei Teilen – „Naissance“ (Geburt), „Enfance“ (Kindheit) und „Adolescence“ (Jugendzeit) – die Beziehung zwischen Camille und ihrem Sohn dokumentiert. Begleitet von intensiven Erinnerungen und Gefühlen, die von den ersten Atemzügen bis ins Teenageralter reichen. Es ist also im besten Sinne ein Konzeptalbum, das sowohl inhaltlich als auch durch seine Machart das Thema Mutterschaft in den Fokus stellt. Gepaart mit einem kritischen Blick auf die Gesellschaft, in der Kinder heutzutage aufwachsen und die manchmal mehr Einfluss auf sie hat, als den Erziehungsberechtigten lieb ist. Die Platte beginnt mit einer Sammlung von Tonaufnahmen aus den Jahren 2010 bis 2015. Wir hören Geräusche, kleine Wiegenlieder, Lachen und Reime – ganz ohne Instrumente. Ein Soundtagebuch jener Phase, in der die neu entstandene Familie sich als solche erst noch finden musste und in der aus anfänglich zarten Banden zwischen den einzelnen Mitgliedern langsam tragfähige Seile wurden.. Musik war dabei allgegenwärtig und brachte Leichtigkeit in einen Alltag, in dem Verzweiflung und Überforderung an vielen Ecken lauerten. Mit „Enfance“ schließt sich dann ein „Taschenmusical“ an, wie Camille es selbst bezeichnet. In diesem ergänzen Chöre, Cello und Vocal Bass charmante Gesangs-Improvisationen, die oft in nur einem einzigen Take aufgenommen wurden. So versucht Camille, ein Stück der Naivität einzufangen, die viele von uns mit den Kindertagen verbinden, bevor der letzte Part, „Adolescence“, ernstere Töne heraufbeschwört. Er ist es aber auch, der am ehesten als radiotaugliches Gesamtprodukt funktioniert. An der Schwelle zum Erwachsensein wird aus dem Kind zunehmend ein gleichberechtigter Partner für seine Eltern., was sich in elf Songs niederschlägt, die ausgefeilter und professioneller produziert sind als alles, was ihnen vorausgeht. Die anfängliche Naivität weicht schlussendlich einem durchdachteren Plan, wobei die Stimme – wie bei Camille nicht anders zu erwarten – zentral bleibt und sich ihr sämtliche andere Elemente unterordnen. Sie ist konsequenter Harmonie- und Rhythmusgeber auf „The Sound of Milk“. Gleichzeitig durchläuft sie aber eine kontinuierliche Metamorphose: Vom ersten Schrei des Babys, den Camille aufgreift und in eine Melodie verwandelt, bis hin zu ausgewachsenen, darauf gründenden Pop-Songs. Mal im puristischen A-cappella-, dann wieder im ausstaffierten orchestralen Gewand. Die Metapher der einschießenden Milch, die dem Album seinen Namen gibt, ist indes als eine Art Geburtsstunde von etwas Kreativem zu verstehen. Darüber hinaus enthält der Titel aber auch eine Referenz zu dem Film „The Sound of Music“ aus den 60er Jahren. Denn genauso wie der Kultklassiker erforscht Camille hier ebenfalls die Verbindung von Familie, Natur, Musik und Hoffnung in einer politisch bedrohlichen Zeit.
„The Sound of Milk“ ist so speziell und gewagt, dass die Platte und das dahinterstehende Vorhaben wahrlich ihresgleichen suchen. Das hätte sich keine generative KI besser ausdenken können, was wiederum verdeutlicht, wie wertvoll menschlicher Einfallsreichtum auch im Jahr 2026 noch ist. Besonders dann, wenn es um die Wahrhaftigkeit von etwas wie der Schöpfung geht, die auf „The Sound of Milk“ ein omnipräsentes Hintergrundmotiv bildet.

GEWINNSPIEL
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Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 20.09.2026. Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall. Unsere Preise verschicken wir nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Erfolg!

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