Weder starr noch unflexibel bietet El Búhos „Hogar“ ein kreatives Dach, unter dem sich Menschen jeglicher Couleur zusammenfinden können, um der Schönheit vielfältiger Rhythmen und Klänge zu huldigen.
Das Projekt El-Búho von Robert Perkins besticht seit jeher durch einen warmen, organischen und leicht psychedelischen Sound, der elektronische Musik mit lateinamerikanischen Einflüssen wie Cumbia-Grooves, Andeninstrumenten, Huayno-Melodien, folkloristischen Percussions und Field Recordings, also Naturaufnahmen, verbindet. Über Jahre hinweg reiste Perkins um den Globus und erforschte dessen verschiedenste Ecken und Enden. Als DJ, Aktivist und Hispanist lernte er dabei nicht nur die Welt, sondern auch ihre Kulturen kennen und verliebte sich immer wieder in deren Fremdartigkeit. Das wiederum führte dazu, dass er auf seinen bisherigen Alben gern mit typischen akustischen Elementen aus aller Herren Länder experimentierte und sie sich mehr oder weniger zu eigen machte. Oder besser: Er integrierte sie in sein El-Búho-Universum. Kulturaneignung, wird nun manch einer schreien. Andere werden darin hingegen einen Versuch der Völkerverständigung und des Respekts erkennen. Nachdem er viel unterwegs war, zwang Perkins die eigene Familiengründung schließlich dazu, darüber nachzudenken, ob er, seine Frau und sein Nachwuchs nicht vielleicht eine Rast benötigten, um Wurzeln schlagen zu können. . Die Auseinandersetzung mit dieser Frage und generell mit der Bedeutung von Heimat verarbeitet El Búho auf seinem neuen Album „Hogar“ (zu Deutsch: Zuhause). In neun Titeln wirft der gebürtige Brite aus unterschiedlichsten Perspektiven einen Blick auf die Thematik und beschäftigt sich dabei auch mit Migration, Vertreibung, Krieg und der Klimakrise. Dabei verpackt er seine politisch und privat motivierten Überlegungen in Beats und Melodien, die allesamt der eingangs erwähnten Ästhetik Tribut zollen. „Hogar“ wirkt allerdings etwas rauer, wuchtiger und weniger transzendent als andere seiner LPs. Während diese nämlich gern luftig, lodernd oder wässrig-fließend daherkamen, versinnbildlicht „Hogar“ am ehesten das Element Erde. Die Titel sind dicht und verankert, sogar weniger verspielt als frühere Werke. Das tut dem Spaß beim Hören aber keinen Abbruch. Wieder gelingt es Perkins, bei seinen Zuhörer*innen ein Gefühl von Verbundenheit auszulösen und somit jedweder Spaltung entgegenzuwirken. Verbundenheit zu anderen Menschen, zu deren Hintergrund, zur Natur, zu den Tieren und Pflanzen. Er verweist damit einmal mehr auf die wichtige Erkenntnis, dass das eine ohne das andere nicht existieren kann und dass wir am Ende alle an demselben schützenswerten Ort, unserem Planeten, zu Hause sind. „Hogar“ erscheint auf dem von Perkins mitgegründeten Label „Shika Shika“, auf dem europäische Künstler*innen genauso vertreten sind wie Acts aus anderen Nationen. Darüber hinaus enthält die Platte Features von Pita Amor, Humazapas, Mafiandina, Chuskupura, Eat My Butterfly, Ana María Vahos, Plu Con Pla und Miguel Guerrero. Was sie und El Búho eint, ist die gemeinsame Liebe zur Musik, die Faszination für deren Wirkkraft und die feste Überzeugung, dass Austausch mehr Zukunftsperspektiven bietet als Mauern zwischen einander aufzubauen. Das wiederum ist der Kleber, der „Hogar” zusammenhält und zu einer echten Wohltat macht.


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