Die Editors schalten einen Gang runter: „Surface, Echo & Sound“ ist weniger ekstatisch als vieles in ihrem Backkatalog und gibt uns eine Verschnaufpause, um Energie für das nächste Abenteuer zu sammeln.
Während manche Bands immer wieder dieselbe Platte reproduzieren und lediglich den Titel und die Hintergrundgeschichte ändern, durchlaufen andere mit jedem Album einen Entwicklungsprozess. Die Editors aus Birmingham gehören zu letzteren. Keine ihrer LPs klingt wie die davor oder die danach. Weder stilistisch noch thematisch. Stattdessen loten sie immer wieder ihre Grenzen aus und versuchen, den eigenen Horizont zu erweitern. Das war zu Beginn ihrer Karriere schon so und ist es noch heute. Anfang des Millenniums starteten sie mit einer Post-Punk-Ästhetik, die mal schwermütig und düster („The Back Room“ (2005)), mal hymnisch daherkam („An End Has a Start“ (2007)). In den darauffolgenden Jahren folgten Ausflüge in elektronische Gefilde mit unterschiedlichen Akzentuierungen („In This Light and on This Evening“ (2007) oder „Violence“ (2018)) oder es ging direkt mitten auf die Tanzfläche unter das Stroboskop-Licht („EBM“ (2022)). Es gab aber auch dem Alternative Rock gewidmete Werke („The Weight of Your Love“, 2013) oder atmosphärische Sequenzen („In Dream“, 2015). Was bei all diesen chamäleonartigen Wandlungsprozessen besonders überraschte, war von jeher die daran gebundene Glaubwürdigkeit. Zuhörer*innen merkten schnell, dass es sich bei Frontmann Tom Smith und seinen Bandkollegen um eine Truppe handelt, die Spaß daran hat, sich neu zu erfinden und die eigene Identität als Band in regelmäßigen Abständen zu hinterfragen. Schließlich ist der Mensch ja auch nicht statisch, sondern verändert sein Wesen je nachdem, was er erlebt. „Surface, Echo & Sound“, ihr achtes Studioalbum, steht dem in nichts nach und hält ebenfalls eine akustische Überraschung parat. Mehr als jeder ihrer Vorgänger fußt diese LP auf einem Rocksound, bei dem ein Instrument zum Protagonisten wird: Die Akustikgitarre. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch die elf Stücke und verbindet sie miteinander. Dies ist vor allem dem Ende 2025 erschienenen Solodebüt „There Is Nothing in the Dark That Isn’t There in the Light“ von Tom Smith zu verdanken, das nach all der Opulenz der letzten Editors-Alben auf Reduktion und einen eher organischen Sound setzte. Einige der dabei entstandenen Ideen verfolgte Smith dann gemeinsam mit den Editors weiter. Die Vorabsingle „The Rush“, einer der zentralen Tracks auf „Surface, Echo & Sound“, war beispielsweise ursprünglich für „There Is Nothing in the Dark That Isn’t There in the Light“ gedacht gewesen und wurde dann gemeinsam fertiggestellt. Generell waren die Aufnahmen zu „Surface, Echo & Sound“ dadurch gekennzeichnet, dass sich die Editors als Band zusammenfanden, herumexperimentierten, Songs schrieben und diese als Sessions aufnahmen. Das hört man die LP definitiv an. Sie wirkt weniger geschliffen, sondern rauer und stärker im Moment verhaftet. Dadurch fehlt es vielleicht hier und da an der Wucht, die man von anderen Alben der Briten kennt, woran man sich als langjähriger Fan vielleicht etwas gewöhnen muss. Auch verfrickelte Spielereien gibt es weniger – mit Ausnahme einer eher ungewöhnlich eingesetzten Mandoline, die für jene Irritationen sorgt, die mit Spannung und Neugier einhergehen. „Solide“ ist ein meist negativ konnotiertes Wort. Trotzdem beschreibt es gut, was „Surface, Echo & Sound“ ist: Ein solides, rockiges Album mit Jangle-Pop- und Folk-Einflüssen in der Tradition von The Smiths oder R.E.M.

GEWINNSPIEL
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