REVIEW: Mammút „River’s End“ (EP)

Mammút by Cooperative MusicIsland – unerschöpfliche Quelle auditiver Erfolgsphänomene. Es brauchte zwar ein wenig Zeit und allem voran die Überzeugungsarbeit einer aufgedrehten, schwarzhaarigen Sangesrebellin namens Björk, bis die Welt verstanden hatte, dass der Inselstaat ein wahre Fundgrube musikalischer Wunderkinder darstellt, doch hat sich das Vulkaneiland seitdem als eine der zuverlässigsten Talentschmieden der Independentbranche etablieren können. Reihe um Reihe treten seitdem junge Musiker an, um eine internationale Hörerschaft mit ihren oft unkonventionellen Veröffentlichungen ins Staunen zu versetzen. Eine Band, die nach einem erfolgreichen Karrierestart in ihrer Heimat nun ebenfalls zum akustischen Rundumschlag ausholt, ist Mammút. Alexandra Baldursdóttir, Andri Bjartur Jakobsson, Arnar Pétursson, Ása Dýradóttir und Katrína Mogensen gründeten 2003 die Gruppe ROK, welche erst ein Jahr später in Mammút umbenannt wurde. Gemeinsam hat das Quintett im Laufe der Jahre einen recht eigenwilligen Stil entwickelt, der sich durch harte Alternativestrukturen auszeichnet, die in Kombination mit den für Island typischen, sirenenartigen Gesägen und einem Hauch von Mystik zu einem fulminanten Ganzen verschmelzen.

River's EndNach drei gefeierten Alben folgt nun mit „River’s End“ eine erste, auf englisch eingesungene Antester-EP für den europäischen Markt. Kein geringeres als das britische Label Bella Union entschied sich dabei, als Mammúts Türöffner für eben diesen zu fungieren. Die Plattenfirma, die einst von Robin Guthrie und Simon Raymonde, Mitgliedern der Cocteau Twins, ins Leben gerufen wurde, und unter anderem Künstler wie Beach House oder Father John Misty zu ihren Schützlingen zählt, zeichnet sich durch ihr außerordentliches Gespür für interessante Nachwuchstalente aus. Auch Mammút halten dabei, was ihr archaischer Bandname verspricht. Mal lauten Schrittes, wie der Marsch der gleichnamigen Rüsseltiere während der Eiszeit, und dann wieder sanft und weich, wie deren wolliges Fell, entspinnt die Truppe innerhalb der fünf Tracks ihrer „River’s End“-EP einen fesselnden Spannungsbogen. Während das Eröffnungsstück „Shore“ mit knirschenden Synthies und hölzernen Beats aufwartet, rast „Blood Drust“ als rockiger Eissturm über eine Ebene ausgiebiger Schlagzeugpassagen und E-Gitarren-Spielereien. Das titelgebende „River’s End“ und „Bakkus“ wirken nicht minder dynamisch, verstehen das Spiel mit Tempo und Lautstärke, derweil das finale „Salt“ einem bizarren Post-Rock-Einschlag folgt. Mammút sind eindeutig isländisch und sind es andererseits irgendwie auch so ganz und gar nicht – zumindest kannte man jene raue akustische Seite des nördlichen Landes bis dato eher weniger. Man darf gespannt sein, wohin die Spur Mammúts seine Hörer noch führen wird. Einziger Wehmutstropfen dürfte dabei die Tatsache sein, dass die isländischen Lyrics für den Release der „River’s End“-EP englischen Texten weichen mussten.

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