REVIEW: Tess Parks & Anton Newcombe „I Declare Nothing“

Tess Parks And Anton NewcombeWer sagt eigentlich, dass Frauenstimmen lieblich und zart sein müssen, um im aktuellen Popgeschehen überleben zu können? Tess Parks beweist mit der ihren das vitale Gegenteil. Regelmäßig scheint die aus Toronto stammende Parks ihre Stimmenbänder in Whiskey zu tränken, so rau und widerspenstig klingen die auditiven Zeugnisse, die ihren Mund verlassen. Und dabei hatte sie ursprünglich gar nicht vor, eine Karriere als Musikerin zu starten. Vielmehr war es die Fotografie, die sie im Zuge ihres Studiums nach Großbritannien, genauer gesagt in das stets verregnete London, geführt hatte. Einmal dort angekommen wurde Alan McGee auf die hübsche junge Frau aufmerksam und bestärkte sie darin, 2013 eine erste Platte namens „Blood Hot“ auf seinem Label 359 Music zu veröffentlichen. Mit ihrer scharfkantigen Attitüde zeichnet Parks auf jenem Debüt das Bild einer unabhängigen Revoluzzerin, die sich in keinster Weise verbiegen lässt, sondern Emanzipation und Selbstbestimmtheit auf tonaler Ebene zelebriert.

I Declare NothingZwei Jahre später steht mit Anton Newcombe ein neuer Mann an Parks Seite, der ebenfalls in der Lage war, sie für Albumaufnahmen zu verpflichten. „I Declare Nothing“ ist der Titel des dieser Tage erscheinenden, energiegeladenen Gemeinschaftswerks der beiden akustischen Vergangenheitsfanatiker. Waren es auf „Blood Hot“ noch noisige Folk-Rock-Melodien, die das kratzige Gesangsorgan Parks umspielten, stürzt Newcombe mit brünetten Kanadierin ganz bewusst in einen psychedelischen Abgrund, der keinen Boden zu kennen scheint. Newcombe huldigt somit auch seinem Herzensprojekt, der Band The Brian Jonestown Massacre, und erweitert deren Sound um den Faktor Weiblichkeit. Wie gut das funktioniert, beweisen Stücke wie das mit Flower Power aufgeladene „Friendlies“ oder das düstere „German Tangerine“, welches neben anderen Tracks von „I Declare Nothing“ bereits seit einiger Zeit durch das World Wide Web geistert – begleitet von euphorischen Äußerungen zahlreicher Fans der beiden Musiker. Die Tatsache, dass Parks sich nicht darum zu kümmern scheint, ob während ihrer rasanten Fahrt quer durch den Rock’n’Roll der eine oder andere Ton eventuell unter die Räder zu geraten droht, macht „I Declare Nothing“ zu einer herrlich unverkopften und gleichzeitig ausdrucksstarken Platte. Dank viel Gefühl, noch mehr Rotzigkeit und einer fast schon fiebrigen Ausstrahlung fegt die Platte über die überfüllte Landschaft aus neuen Tonträgern wie ein Sommergewitter am hitzigsten Tag des Jahres.

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