REVIEW: Mocky „Key Change“

Mocky by Vice CoolerWas gibt es Schöneres, als an einem Sonntagmorgen im Bett zu bleiben, den Geruch von Kaffee zu vernehmen, der aus der Küche ins Schlafzimmer zieht, und vom gleißenden Sonnenlicht gekitzelt zu werden, das durch das Fenster in die eigenen vier Wände strahlt? Nun ja, man kann dazu noch ein Album von Mocky auflegen – das rundet dieses Alltagsparadies ab und untermalt es mit den vielleicht charmantesten Klängen, die die Independentbranche aktuell zu offerieren hat. Mocky alias Dominic Salole ist kanadischer Produzent, Songwriter, Multiinstrumentalist und Sänger, lebte lange Zeit in Berlin und siedelte schließlich nach Los Angelos über, um von dort aus die Welt mit seinen auditiven Ideen zu verschönern. Und das tut der Mann, der unter anderem eng mit Feist, Peaches und Gonzales befreundet ist, auf die eleganteste Weise, die man sich vorstellen kann. Sein Esprit und der Pfiff, der seinen Kompositionen innewohnt, heben den 41-Jährigen sanft auf eine Stufe mit Großmeistern wie Serge Gainsbourg, vor allem, was die Raffinesse seiner Tracks betrifft. Heute erscheint Mockys neue Platte „Key Change“ als physischer Tonträger, nachdem es sie schon eine Weile digital zu erstehen gab. Klavier.

Key ChangeBläser. Trommeln. Bei „Upbeat Thing“, dem Eröffnungsstück auf Mockys „Key Change“, treffen klassische Instrumente wie alte Schulfreunde, die sich lange nicht gesehen haben, die aber etwas miteinander verbindet, das über die Flüchtigkeit des Augenblicks hinausgeht, aufeinander. Es sind traditionelle Chansonstrukturen, die in einen modernen Klangteppich verwoben sind, und die zwölf Titel auf „Key Change“ zu begnadeten Eroberern der Hörergunst machen. Dabei braucht es nicht unbedingt Lyrics, um Geschichten zu erzählen. Während „When Paulie Gets Mad“ sanft zu säuseln beginnt, wackelt „Soulfoul Beat“ bereits geschmeidig mit der Hüfte und „Whistelin“ enthüllt zarte Sangesfetzen von Quadrons Coco O., die neben vielen anderen, begnadeten Kollegen als Gastmusiker auf „Key Change“ zu hören ist. Einzig „Weather Any Storm“, „Living In The Snow“ und „Head In The Clouds“ halten, statt gehauchter Ahas, mit Blues unterlegten Uhus und fröhlich vor sich hin geträllerten Badadams, echte Textpassagen bereit. „Key Change“ ist eine wundervoll organische Platte, die die Künstlichkeit vieler Produktionen mit ihrer Authentizität mehr als zu schlagen weiß.

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