REVIEW: Lianne La Havas „Blood“

Lianne La Havas by Warner MusicWer sind wir? Wo kommen wir her? Was zeichnet uns aus? Das sind die vielleicht essenziellsten Fragen, die wir Menschen uns im Laufe unseres Lebens stellen und auf die eine Antwort zu finden, eine echte Herausforderung darstellen kann. Vor allem auch deshalb, da wir einem stetigen Wandel unterliegen, der unsere Persönlichkeit wieder und wieder formt, sie von verschiedensten Ereignissen prägen lässt und ihr einen schattenhaften Charakter verleiht. Was soll man also tun, wenn man sich dennoch selbst ein Stück näherkommen will? Sicher ist es keine schlechte Idee, den eigenen Wurzeln auf die Spur zu gehen. Das dachte sich auch die britische Sängerin Lianne La Havas, die als Tochter eines Griechen und einer Jamaikanerin einen recht multikulturellen Background mitbringt. Nachdem der Erfolg ihres Debütalbums „Is Your Love Big Enough?“, all die daran gebundenen Auszeichnungen und das Touren durch aller Herren Länder verdaut waren, beschloss La Havas, sich für eine Auszeit auf den Weg nach Jamaika zu machen. Dank der durch Großeltern und Mutter vermittelten Kenntnisse um Sprache und Lebensweise fiel es der 25-Jährigen nicht wirklich schwer, eine Verbindung mit dem Inselstaat aufzubauen – und so diente er gleichzeitig als nicht versiegen wollende Inspirationsquelle für ihr neues Album „Blood“.

BloodManchmal haben Künstler gar nicht vor, kreativ zu sein, doch küsst sie genau dann die Muse mit größter Ausdauer. Anstatt sich also auf Jamaika eine Pause vom stressigen Musikerdasein zu nehmen, schrieb und komponierte Lianne La Havas ohne Unterbrechung. Herausgekommen sind zehn neue Songs, die die Suche nach der eigenen Identität als zentrales Motiv verbindet. Auch der Wert von Familie und zwischenmenschlichen Beziehungen beschäftigt Lianne La Havas innerhalb der Texte auf „Blood“ – weswegen der Titel der Platte nicht wirklich verwundern dürfte. Soundtechnisch waren es hingegen Rhythmen und Beats, die die Grundlage für Songs wie den recht opulenten Opener „Unstoppable“ oder das emanzipierte „Midnight“ bildeten. Wieder einmal zeigt La Havas, dass Genregrenzen nur für diejenigen Sinn machen, die ihren eigenen musikalischen Fingerabdruck noch nicht gefunden haben. Mit Leichtigkeit bedient sich die hübsche Sängerin sowohl bei Elementen des R’n’B, des Rocks, des Pops, des Folk oder bei sanften Songwriter-Strukturen. Vereint unter dem recht toleranten Dach des Indies schenkt La Havas „Blood“ einen wunderbaren Reichtum an unterschiedlichen Stimmungen. Während Balladen wie „Good Goodbye“ oder „Wonderful“ den markerschütternden Gesang der Britin in den Vordergrund stellen, wird „Never Get Enough“ zum aggressiven Statement, und das in Kollaboration mit Jamie Lidell entstandene „Green And Gold“ geht auf Erkundungstour durch exotischere, akustische Gefilde. Eine wirklich spannende Platte, die eine selbstsichere, junge Musikerin aus den verschiedensten Perspektiven beleuchtet.

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