REVIEW: Metric „Pagans In Vegas“

MetricWie objektiv lässt sich die neuste Platte einer Lieblingsband beurteilen? Unser Herz schlägt nicht erst seit gestern für die Kanadier von Metric und doch wollen wir versuchen, das, was uns das Quartett mit ihrem „Pagans In Vegas“ offeriert, ganz nüchtern zu betrachten. Nun, seien wir ehrlich: Das wird nicht funktionieren, denn die zwölf neuen Stücke versetzen uns in einen regelrechten Endorphinrausch. Metric sind zurück und das früher und umfangreicher, als man es eigentlich hätte erwarten dürfen. Ursprünglich hatten Emily Haines und ihre Jungs nämlich noch vor wenigen Monaten eine Kreativpause über ihren Newsletter verkündet, doch kehren sie nun zurück ins Rampenlicht und krempeln alles um, was sich umkrempeln lässt. Statt eines haben sie gleich zwei Alben im Gepäck – der Nachfolger zu „Pagans In Vegas“ soll bereits im Frühjahr 2016 erscheinen. Statt sich erneut auf die Plattenfirma PIAS zu verlassen, wagen sie mit ihrem Label MMI den Alleingang. Statt lange mit ihren Songs hinter dem Berg zu halten, bieten sie diese schon lange vor dem offiziellen Release mittels einer App namens „Pagan Portal“ an. Am Höhepunkt ihrer Karriere überraschen Metric durch einen Reload ihrer selbst und werden vielleicht genau deshalb erfolgreich bleiben.

Pagans In VegasZahlreiche Independent-Acts wurden in den letzten Jahren verschlungen, als hätte es sie nie zuvor gegeben. Wie Eintagsfliegen verschwanden dabei selbst Größen der Branche von der Bildfläche und aus den Playlists der Radiostationen. Kein Wunder also, dass es neuer Wege bedarf, jenem kollektiven Massensterben entgegenzuwirken. Metric hatten schon immer ein Händchen für den Kontakt zu ihren Fans und machten sich genau diese Stärke zu Nutzen, um „Pagans In Vegas“ unabhängiger als seine Vorgänger gestalten zu können. Stetig versorgten sie ihre Anhänger über das „Pagan Portal“ mit News, veröffentlichten hin und wieder einen neuen Song und ließen ihren Hörern genug Zeit, sich mit „Pagans In Vegas“ vertraut zu machen. „Bei diesem Album ging es vor allem darum, Spaß zu haben und dabei wollten wir auch musikalisch mutiger denn je sein“, erklärt James Shaw, Gitarrist der Band. Tatsächlich stürzt sich „Pagans In Vegas“ ohne lange zu zögern in Richtung Pop, huldigt den Achtzigern, doch zugänglicher, als es bei „Synthetica“ 2012 der Fall war, und parodiert gleichsam die Angst vieler Künstler, sich zu sehr dem Mainstream zu öffnen. Während Tracks wie „Lie Lie Lie“ grimassenartig zu Grinsen beginnen, nehmen „The Shade“ oder „Cascades“ gehörig Fahrt auf. „Pagans In Vegas“ spart nicht an Tempo und lässt den Hörer erst mit den letzten beiden Stücken „The Face, Part I“ und „The Face, Part II“ wieder durchatmen. In der Zwischenzeit sorgen das ironische „Too Bad, So Sad“, das an die Anfangszeiten Metrics erinnernde „Blind Valentine“ oder „The Governess“ für vergnügliche Minuten voller Spannung und guter Laune.

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