REVIEW: Lou Doillon „Lay Low“

Lou Doillon by Universal MusicAls Kind berühmter Eltern hat man es nicht leicht. Wenn dann auch noch erschwerend hinzukommt, dass sowohl die Geschwister als auch der Großteil der gesuchten Liebschaften im Licht der Öffentlichkeit stehen, hat man fast schon keine andere Wahl mehr, als irgendwann selbst Teil jener artifiziellen Scheinwerferwelt zu werden. Lou Doillon ist Tochter der britischen Sixties-Ikone Jane Birkin und des französischen Regisseurs Jaques Doillon. Zu ihren Schwestern zählen Frankreichs Multitalent Charlotte Gainsbourg und die durch einen tragischen Fenstersturz verstorbene Fotografin Kate Barry. Schaut man sich die Liste Lou Doillons Verflossener an, lassen sich auch dort zahlreichende Medienschaffende, wie zum Beispiel der Schauspieler und Autor Samuel Benchetrit oder der Musiker John Ulysses Mitchell, mit dem sie einen gemeinsamen Sohn hat, finden. Der Weg der heute 33-Jährigen scheint seit ihrer frühsten Kindheit vorbestimmt. 1988 stand sie zum ersten Mal vor der Kamera, und zwar im Film „Kung-Fu Master“, an der Seite ihrer Mutter Jane. Fotoaufträge für Pirelli, Chloé und Gap lassen sich in Doillons Lebenslauf genauso finden wie die Veröffentlichung ihrer Debüt-LP „Places“ im Jahre 2012. Als Model, Schauspielerin und Sängerin tritt Lou Doillon in die Fußstapfen ihrer Familie, die ihr jedoch keineswegs zu groß sind, wie nun auch ihr neues Album „Lay Low“ beweist.

Lay LowEs ist ein androgyner Charme, der „Lay Low“ anhaftet und diese Platte zu einem außergewöhnlichen Hörerlebnis macht. Zwar konnte man eine entsprechende spröde Anziehungskraft in Ansätzen schon auf dem Vorgänger „Places“ spüren, doch steigert Lou Doillon ihren Hang zur subtilen Kargheit, in Kombination mit organischen Kompositionen, auf „Lay Low“ bis zur Perfektion. Als wäre sie bereits seit Jahrzehnten als Songwriterin aktiv gewesen und besäße mittlerweile die Weisheit einer Patti Smith, entspinnt Dollion einen in sich stimmigen und gleichzeitig mitreißenden Melodienfluss, auf dessen Wogen ihre raue Stimme hin und hersegelt – mal stark und bestimmend, dann wieder sanft und zerbrechlich. Ergebnis sind Stücke wie das energiegeladene „Above My Head“, die beschwingte Singleauskopplung „Where To Start“ oder das lüsterne „Robin Miller“. Zudem impft Doillon ihre klassischen Songwriterstrukturen mit Einflüssen aus Jazz, Blues und erstmals auch Psychedelic Rock – wenngleich recht sparsam eingesetzt – gegen Einfältigkeit und Langeweile. Hilfe bekam sie dabei von Timber Timbres Taylor Kirk als Produzent, ohne den es einen Titel wie das nostalgische „Nothing Left“ vermutlich nie in das Repertoire Doillons geschafft hätte.
„Lay Low“ ist ein Zweitwerk, wie es besser nicht sein könnte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: