Review : Adele „25“

Adele by XLRecordingsBrit Awards, Grammys, Golden Globe, Oscar – bereits vor der Veröffentlichung ihres neuen, dritten Albums „25“ hat die britische Sängerin Adele sämtliche Preise abgeräumt, von denen ein Musiker im Laufe seines Lebens nur träumen kann. Zudem stellte die 27-Jährige mit der zu „25“ gehörigen Vorabsingle „Hello“ in Deutschland einen imposanten Streamingrekord auf. Kein Song war bis dato mehr als die eindringliche Ballade geklickt worden , zu der Erfolgsregisseur Xavier Dolan ein passendes Video realisiert hatte. Spannenderweise entschied sich Adele dann aber im letzten Moment, den Rest von „25“ nicht über Spotify und Co. anzubieten. Eine Entscheidung, die in den Größenordnungen, in denen sich Miss Adkins bewegt, sicherlich keine leichte war. Und trotzdem dürfte der reine Verkauf von „25“ auf CD, Vinyl oder via Download genug Geld in die Kassen spielen, damit Adele auch in den kommenden Jahren von ihrer Gesangskarriere leben kann. Immerhin erhielt das Album bereits vorab derart viele Vorschusslorbeeren, dass Chartspitzen und Bestsellerplätze – man schaue sich nur bei sämtlichen Anbietern um – eine absolut logische Konsequenz darstellen. Der Wirbel um die Songwriterin, die 2007 mit dem Track „Hometown Glory“ erstmals in Erscheinung trat, ist nach wie vor ungebrochen, nein, er wächst mit jeder einzelnen Note, die Adele anstimmt. Da gerät die Musik als solche schon fast ein wenig in den Hintergrund.

25„25“ ist eine Platte in Adele-Manier. Neben großen, orchestral ausstaffierten Balladen, die die Massen bewegen und irgendwann in jeder zweiten TV-Show sentimentale Momente untermalen werden, finden sich auf „25“ auch ein paar wenige, zaghafte Versuche, das eigene Soundspektrum um bisher unberührte Tendenzen zu erweitern. Diese sind jedoch in der Anhäufung an Power-Pop und Soul-Herzschmerz, der einem auf „25“ begegnet, leider kaum wahrnehmbar. Im Kollektivgedächtnis werden Stücke wie „Hello“, „When We Were Young“ oder „Remedy“ einen wesentlich prominenteren Platz einnehmen, als beispielsweise „Sweetest Devotion“ oder das in Zusammenarbeit mit Danger Mouse entstandene „River Lea“. Hinzukommt, dass Adele auch bei den auf „25“ vertretenen Up-Tempo-Nummern wie „Send My Love (To Your New Lover)“ oder „Water Under The Bridge“ wenig Risiken eingeht und diese lieber mit Nachdruck in den aktuellen Eighties-Hype eingliedert. Man kann „25“ keinesfalls zur akustischen Bruchlandung degradieren. Es handelt sich definitiv um ein solides Album, das sich klar auf die Stärken Adeles, ihre gut ausgebildete, fulminante Stimme und ihr Gespür für ergreifende Lyrics, stützt. Allerdings lassen die elf Titel etwas vermissen, was der Vorgänger „21“ noch hatte. Nämlich jene Rotzigkeit, die aus einer sanft lodernden Flamme einen verheerenden Waldbrand machen konnte, an dem man sich schnell verbrannte, wenn man ihm zu nahe kam. Stattdessen gibt es behutsam geplante und mit genügend Sicherheitvorkehrungen versehene Feuerregen und die Erkenntnis, dass das Muttersein und zur Ruhe kommen mindestens genauso viel Befriedigung bieten, wie mit Wut auf den verhassten Exfreund einprügeln zu wollen.

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