REVIEW: HATY HATY „High As The Sun“

HATY HATY by Isabelle Renate la PoutrcLaut Psychologie gibt es zwei Typen von Menschen: Eulen und Lerchen. Während es die Lerchen bevorzugen, früh aufzustehen, den Tag für sich zu nutzen und mit dem Aufkommen der Nacht wieder im Bett zu verschwinden, lieben es die Eulen, auf die dunklen Stunden zu warten und in deren Finsternis auszuschwärmen. Auszuschwärmen in das Lichtermeer der Boulevardstraßen, in gemütliche Clubs oder von Schatten durchdrungene Alltagswelten. Auch die beiden Niederländer David Douglas und Johannes Sigmond alias Blaudzun scheinen – sofern man ihrem musikalischen Output glauben darf – in die Kategorie jener Dämmervögel zu fallen. Mit ihrem gemeinsamen Projekt HATY HATY, das einer langjährigen Freundschaft und dem stetigen Wunsch, irgendwann einmal miteinander kollaborieren zu wollen, entsprungen ist, liefern die beiden nun den perfekten Soundtrack für einen ausgedehnten Tanz im Schein eines flimmernden Blutmondes.

High As The SunAnstatt über virtuelle Medien miteinander zu kommunizieren und sich Sample um Sample zuzuschicken, entschieden sich Douglas und Sigmond ganz bewusst, HATY HATYs Erstlingswerk „High As The Sun“ in Momenten der Zweisamkeit entstehen zu lassen. Verschiedenste Studios, Hotelzimmer und Apartments dienten ihnen dabei als hermetisch abgeriegelte Zufluchtsorte. Wie viele vor ihnen legten auch HATY HATY während der Produktion ihrer Kompositionen viel Wert auf die Flüchtigkeit des Augenblicks. Wenngleich dies keinen revolutionären Ansatz mehr darstellt, verleiht das der Platte einen spannenden Schliff. Verträumt sind die Songs auf „High As The Sun“, trotz ihrer Indietronica-Ambitionen, keineswegs. Exzessiv und fast ein wenig durchtrieben hingegen schon eher. Das liegt vor allem an den wummernden Beats, den energetischen Synthies und der souligen Stimme Blaudzuns. Titel wie „After All“, „Parakeet“ oder „Haty“ mögen sich dem Hörer zwar nicht verschließen, doch nehmen sie ihn ordentlich in die Mangel. Auch die schwedische Sängerin Ane Brun konnte sich der Anziehungskraft von HATY HATY nicht entziehen und stand für einen kleinen Gastauftritt bei dem Track „Nazaré“ bereit.
In Indonesien wünscht man einander mit dem Ausdruck Hati Hati viel Erfolg in schwierigen Zeiten. Auf das niederländsiche Duo dürften diese allerdings keineswegs zukommen, begutachtet man das Potenzial von „High As The Sun“, welches sogar an der Seite von Hercules And Love Affairs selbst betiteltem Debütalbum oder John Grants „Pale Green Ghosts“ zu glänzen wissen dürfte.

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