REVIEW: Moderat „III“

Moderat by Flavien PrioreauMan muss kein Kind des Raves sein, um das Berliner Fusionsprojekt Moderat zu mögen. Stücke wie „A New Error“ oder „Bad Kingdom“ klingen in den auditiven Gedächtnissen beatvernarrter Discogänger genauso nach wie in denen etlicher Genusskonsumenten, die zum entspannten Musikhören am liebsten die heimische Couch aufsuchen. 2002 verdichte sich die selbstbetitelte Laptop-Boygroup aus den freundschaftlichen Spannungen zwischen dem DJ-Duo Modeselektor und ihrem Kollegen Sascha Ring alias Apparat. Gehüllt in einen Schleier aus IDM, Electronica und Techno eroberten Moderat schnell die dichtbesiedelte Clublandschaft der Hauptstadt, waren zu Gast auf unzähligen Festivals und drangen schließlich mit ihren Werken bis in die Randgebiete des Mainstreams vor. Heute bedienen Moderat die Sehnsüchte eines breitgefächerten Publikums und lassen sich stilistisch kaum noch festnageln. Mit „III“ legen sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere ein Album vor, das die Wichtigkeit der Emotionalität in Zeiten von Sturm und Drang eindrucksvoll unterstreicht.

IIIWie viele andere Künstler würden sich den Erfolg wünschen, für den Moderat zwar immer hart arbeiten mussten, der aber spätestens seit ihrem 2013 auf Monkeytown Records veröffentlichten Album „II“ zum wahren Selbstläufer wurde? Anstatt nun Druck von allen Seiten zu verspüren, nutzt das Trio diese Tatsache hingegen als Sicherheit, um auf „III“ ein paar Wagnisse einzugehen. Melancholischer und wesentlich gesangsfixierter als die Vorgänger, gründet die LP auf einem fast schon als klassisch zu bezeichnenden Songwriting, das Beats und Bässen die Rolle des stützenden Begleiters zukommen lässt. Moderat haben erkannt, dass monotone, bis in die Endlosigkeit ausgedehnte Electro-Tracks eins nicht können: Nämlich tief gehend berühren. Und so nutzen Gernot Bronsert, Sebastian Szary und Sascha Ring die Fähigkeit von Melodien, um die Gefühle ihrer Hörer zu bewegen. Ganz ohne die Hilfe bewusstseinserweiternder Drogen oder anderer fragwürdiger Substanzen besitzt „III“ allein die Kraft, eine jede Nacht zum Tag machen und gleichzeitig das Bedürfnis nach innerem Einklang zu befriedigen.

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