REVIEW: Lisa Alma „Thigh“

Lisa Alma by Lucio Aru & Franco ErreDer Eighties-Hype ist nicht mehr aufzuhalten und es scheint mittlerweile schon fast zum guten Ton zu gehören, Synthesizer und E-Drums hervorzukramen, um dem Klang des bunten Jahrzehnts möglichst detailgetreu nachzueifern. Zu großen Teilen leider eher schlecht als recht wühlen sich unzählige Künstler durch die musikalische Vergangenheit und verzetteln sich nur allzu oft in deren Vielfalt. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird aus den Angeln gehoben und durch den akustischen Fleischwolf gedreht – ohne Rücksicht auf Verluste. Doch gibt es auch Positivbeispiele für einen sensiblen Umgang mit dem auditiven Vermächtnis früherer Generationen. Lisa Alma überzeugte im Mai 2015 mit der Veröffentlichung ihres retrovernarrten, flirrenden Albums „Sweater“, von dem auch unsere Redaktion ganz berauscht war. Danach ging es für die passionierte Soundtüftlerin als Support von Chinawoman auf Achse und auch eine eigene Headlinertour hielt Alma auf Trab. Doch wer nun denkt, dass die hübsche Musikerin damit gänzlich ausgelastet gewesen sein dürfte, der irrt. Ganz nebenbei tüftelte sie an einem Nachfolger für „Sweater“, der bereits ein Jahr nach diesem, am heutigen Tage, das Licht der Welt erblicken darf.

Thigh„Thigh“ entstand in kompletter Eigenregie und bringt uns das Multitalent Alma auf mehreren Ebenen näher: Als Songwriterin, Sängerin und Produzentin. Dass sie all diese Disziplinen gleichermaßen zu beherrschen scheint, verdeutlicht der stimmige Gesamteindruck der Platte. „Desire“ fungiert dabei als Eröffnungsstück und gibt klar die Richtung vor, in die es im Folgenden gehen wird. Nahtlos schließt „Thigh“ dort an, wo „Sweater“ aufhörte und führt die Leidenschaft, mit der Lisa Alma ihre Kompositionen zum Leben erweckt, fort. Einmal mehr versprühen ihre Songs einen Hauch von Laszivität und Sex-Appeal. Große Gefühle und ausladende Soulmelodien gibt es obendrauf.
Ob „Alright“, „Golden Light“ oder „Bad As Me“ – behutsam verneigt sich Lisa Alma auf „Thigh“ vor den Achtzigern und transferiert deren Klangästhetik in das 21. Jahrhundert – jedoch nicht, ohne ein paar Experimente zu wagen. So läuten besonders „Player“ oder „Prom Queen“ den nächsten Schritt im Schaffen der Schwedin ein und warten mit einer ungeahnten und doch spannenden Melancholie auf. Man darf also entspannt durchatmen, denn Alma scheint es noch lange nicht an Ideen auszugehen. Und deswegen lassen wir auch ihr neustes Werk nur allzu gern in die Tiefen unserer Gehörgänge vordringen.

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