REVIEW: Samaris „Black Lights“

SamarisSprache stellt das Schlüsselelement innerhalb der menschlichen Kommunikation dar – so zumindest eine weitverbreitete Meinung. Dass dem aber gar nicht so sein kann, zeigen neben Interaktionen zwischen Eltern und ihren Säuglingen auch jene Momente, in denen wir uns Personen gegenübersehen, mit denen wir kein gemeinsames Vokabular teilen. Verständigung ist auch dann möglich, und zwar mithilfe von Händen und Füßen, Mimik und Gestik oder gar abstrakteren Dingen wie Musik. Dass es keinen Einsatz von Worten bedarf, um einander zu verstehen, lässt sich aber auch anhand der Aufstiegsgeschichte der Band Samaris belegen. Das Trio veröffentlichte seine ersten beiden Alben „Samaris“ und „Silkidrangar“ nämlich auf Isländisch und feierte genau damit große Erfolge – auch fern der Heimat, wo man dieses nur bedingt sprechen dürfte. Nun könnte man Samaris für jene Unbedarftheit und den Willen, die eigene Kultur in die Welt hinauszutragen, gratulieren, wenn sie sich nicht im Rahmen ihres dritten Albums „Black Lights“ dazu entschieden hätten, bei den Lyrics statt auf ihre Muttersprache doch auf Englisch setzen. Jófríður Ákadóttir, Áslaug Rún Magnúsdóttir und Þórður Kári Steinþórsson begründen diese Entscheidung mit der Entwicklung, die ihr Projekt in den letzten Jahren genommen hat. Mittlerweile leben alle drei Bandmitglieder in Europa verteilt und sind somit ganz automatisch einer Internationalität ausgesetzt, die sich auch in ihrer Arbeit niederschlägt. Böse Zungen würden stattdessen behaupten, dass es sich dabei um einen bewussten Marketingzug handeln könnte.

Black LightsWie dem auch sei, was bleibt, ist die Musik und die ist auch auf „Black Lights“ von aller erster Güte. Etwas weniger sphärisch, als es noch auf den nebelverhangenen Vorgängeralben zuging, wagen sich Samaris mit „Black Lights“ ein weiteres Stück in Richtung Dancefloor. Das könnte zur Folge haben, dass kryptisch anmutende Bewegungen auf den Konzerten der Nachwuchskünstler zunehmend verschwinden und durch massigere Ganzkörpermoves ersetzt werden dürften. Derweil haucht die in etliche Projekte gleichzeitig involvierte Samaris-Frontfrau Jófríður Ákadóttir ihren melodischen Sprechgesang ins Mikrofon. Noch immer erinnert sie dabei stark an Landsmännin Björk. Zwar mag dieser Vergleich in der Musikpresse nur allzu gern herangezogen werden, wenn es darum geht, interessante Frauenstimmen zu beschreiben, bei Ákadóttir bewahrheitet er sich jedoch erstmals in vollem Ausmaß. Hinzukommen die von Þórður Kári Steinþórsson programmierten Electronicasounds, die durch das Klarinettenspiel von Áslaug Rún Magnúsdóttir komplettiert werden. Diese an sich schon spannend anmutende Kombination unterschiedlicher Talente macht auch Samaris „Black Lights“ zu einem Album, das althergebrachte Hörgewohnheiten aufzubrechen vermag. Ihr Übriges tun dann clever zusammengeschusterte Tracks wie „R4vin“ „T3mpo“ oder der phänomenale Opener „Wanted 2 Say“, der bereits für sich genommen, über die Tatsache hinwegtröstet, dass man sich nun nicht mehr an der Schönheit der isländischen Mundart erfreuen kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: