REVIEW: Metronomy „Summer ’08“

MetronomyDinge aufzuschieben, das ist ein Phänomen, mit dem wir im Laufe unseres Lebens mehrfach konfrontiert werden. Was daran besonders spannend ist, ist die Tatsache, dass es sich aber nicht nur um unangenehme Dinge handelt, die wir von einem Tag zum nächsten, von einer Woche zur anderen und schließlich sogar jahrelang vor uns herschieben. Auch viele Wünsche bleiben unerfüllt und Ideen werden schlichtweg nicht in die Tat umgesetzt. Doch was ist es, das uns hemmt, dem nachzugehen, was uns eigentlich schon bei dem reinen Gedanken daran ein gutes Gefühl in der Magengegend macht? Stress, Ablenkung, Erwartungshaltungen – dies sind nur ein paar der Hindernisse, die sich der Verwirklichung manch eines Projektes in den Weg stellen.
Nachdem er sein bahnbrechendes, zweites Album „Nights Out“ (2008) veröffentlicht hatte, mit dem er Erfolge in ganz Europa feiern konnte, fühlte sich Metronomy-Mastermind Joseph Mount von der Muse nahezu niedergeküsst. Sein Kopf wurde kurzerhand zu einem Epizentrum für Kreativität und Mount malte sich bereits seine nächste DIY-Platte mit allerhand Details aus. Doch nutzte er schließlich die neue Bekanntheit und die daran geknüpften Möglichkeiten, um stattdessen in großen Studios und fern des eigenen Schlafzimmers, was ihm lange als simple Produktionsstätte für seine Songs gedient hatte, die Alben „The English Riviera“ (2011) und „Love Letters“ (2013) einzuspielen. Ausgedehnte Touren in aller Herren Länder folgten.

Summer 08Zum Opfer fiel dem ganzen Trubel – neben Mounts Privatleben – auch das in Ansätzen bereits konzipierte Album „Summer ‘08“. Wie ein alter Freund, den er aufgrund seines ausgefüllten Popstarterminkalenders lange nicht mehr gesehen hatte, klopfte dieses jedoch vor einiger Zeit erneut in Mounts mentalem Hinterstübchen an. Wesentlich lauter als je zuvor. Bereit, zu Ende gedacht zu werden. Und so konnte Mount nicht anders, als sich erneut mit „Summer ‘08“ auseinanderzusetzen. Kurzerhand ließ er seine Bandkollegen Oscar Cash, Anna Prior und Olugbenga Adelekan außen vor und konzentrierte sich auf die Fertigstellung der Platte, bei der er alle Instrumente eigenhändig einspielte und jede Programmierung selbst vornahm. Der Impuls für „Summer ‘08“ geht – ganz dem Titel entsprechend – auf das Jahr 2008 zurück und knüpft da an, wo „Nights Out“ aufhörte. Trotz wesentlich besserer Bedingungen, was Aufnahmetechniken und Produktionsmöglichkeiten anging, wollte Mount mit den zehn neuen Songs jene pure Stimmung einfangen, die ihn damals wie ein Motor angetrieben und nicht zur Ruhe hatte kommen lassen. Täglich war der heute zweifache Familienvater damals auf Achse gewesen und hatte jede Party mitgenommen, die das Londoner Nachtleben zu bieten hatte. Ebenso rastlos präsentiert sich nun auch der Großteil der Tracks auf „Summer ‘08“. Statt einer Hommage an die 2000er Jahre gibt es zahlreiche Neunziger- und Achtziger-Referenzen, inklusive Scratchings, Drumbeats und energiegeladener Synthesizer. Gäste wie Beastie Boys Mix Master Mike und die schwedische Popgewalt Robyn, die zusammen mit Mount eins der besten Duette der jüngeren Musikgeschichte abliefert („Hang Me Out To Dry“), tun ihr Übriges und verleihen „Summer ‘08“ seinen ganz eigenen Anstrich. Wie so oft, braucht es auch bei diesem Metronomy-Album ein wenig Zeit, um einen Zugang zu dessen Sperrigkeit zu finden. Nur lohnt es sich, diese Zeit zu investieren, denn „Summer ‘08“ stellt den spannenden Missing Link zwischen „Nights Out“ und „The English Riviera“ dar.

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