REVIEW: Skye & Ross „Skye & Ross“

Skye & Ross by Daniela GlunzDie Namen Skye Edwards und Ross Godfrey dürften alldenjenigen etwas sagen, die vor circa 20 Jahren bevorzugt ein beliebtes Gemisch aus Chill-Out-Tunes und Hip-Hop konsumierten. Zusammen mit Ross Bruder Paul bildeten die beiden Londoner die Band Morcheeba, deren Alben „Who Can You Trust?“ (1996), „Big Calm“ (1998), „Fragments Of Freedom“ (2000) und „Charango“ (2002) den Trip-Hop-Hype der Neunziger gehörig anzufeuern wussten. Nach besagter Erfolgstetralogie entschloss sich Edwards dann aber, Morcheeba kurzzeitig abtrünnig zu werden und eine Solokarriere zu starten, die sie bis heute erfolgreich verfolgt. Die Godfrey-Brothers experimentierten derweil ein wenig mit dem Projekt herum, indem sie verschiedenste Stimmen hinter ihr Mikrofon einluden und auch sonst alle möglichen Elemente aus Pop, Hip-Hop und Electro in ihrem Liedgut verarbeiten. 2010 kam es dann zu einer Reunion der Ursprungsformation und in der Folge zu den Alben „Blood Like Lemonade“ (2010) und „Head Up High“ (2013).
Mit dem heutigen Tag beschert uns die Songschmiede Edwards-Godfrey eine neue Platte. Für ein kurzes kreatives Luftholen entschieden sich Skye und Ross allerdings, eine Abstinenz Pauls hinzunehmen und auch ihren Bandnamen in diesem Zuge in den eines Duos umzubenennen: Der Einfachheit halber in Skye & Ross. Dies taten sie recht umfassend, indem sie auch gleich sämtliche Social-Media-Präsenzen anglichen – auf die bisherige Fanbase wollten sie dann doch wieder nicht verzichten. Gleichsam verkündeten die beiden aber, dass dies keinesfalls mit einem Ende Morcheebas gleichzusetzen sei.

Skye & RossWas bringt diese Metamorphose nun aber für den Hörer mit sich? In allererster Linie eine tonale Klärung und eine Besinnung auf das, was einst „Who Can You Trust?“ oder „Big Calm“ ausmachte. War Morcheebas Stil in der letzten Dekade immer undefinierbarer und verwaschener geworden, was durchaus einen gewissen Reiz barg, glätten Skye & Ross nun die entstandenen Wogen wieder. Ihr ebenfalls mit „Skye & Ross“ betiteltes Werk bietet, entgegen der Aussage des Endstücks „Point Of No Return“, exakt dies: Die Möglichkeit zu den Wurzeln des Songwritings der mittlerweile in den Vierziger steckenden Musiker zurückzukehren. Konsequent beschwören Skye & Ross eine Atmosphäre herauf, die losgelöst vom Hier und Jetzt zu sein scheint. Das verdeutlicht, wie zeitlos der Sound Morcheebas schon immer gewesen sein muss. Ob das nun der aktuell wütenden Retromanie geschuldet sei oder nicht, feststeht, dass Tracks wie „Light Of Gold“, „How To Fly“ oder das verträumte „Hold On“ eine ebenso perfekte Untermalung für eine Rooftop-Party abgeben, wie es ihrer Zeit „Undress Me Now“ oder „Otherwise“ im Hintergrund zahlreicher Chillout-Lounges taten. „Feet First“ treibt diesen Eindruck auf die Spitze und fungiert als perfekte Reminiszenz an den Track „Trigger Hippe“ von Morcheebas Debütalbum. „Clear My Mind“ und „Head Home“, die akustischsten Stücke der Platte, stellen hingegen eine gewisse Weiterentwicklung dar. Anhand dieser lässt sich auch die intime Atmosphäre nachvollziehen, die während der Entstehung von „Skye & Ross“ geherrscht haben muss, waren doch nur langjährige Vertraute und Familienmitglieder der beiden Künstler darin involviert. So zum Beispiel Skyes Mann Steve (Bass), ihr Sohn Jaega (Schlagzeug), Ross Ehefrau Amanda (Backgroundgesang) oder Keyboarder Richard Milner.
Obwohl nicht Morcheeba draufsteht, ist am Ende genau das drin in „Skye & Ross“. Und so verbleiben wir mit der Gewissheit, dass Skye Edwards Stimme gehört werden muss, egal in welchem Kontext.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: