REVIEW: M.I.A „AIM“

m-i-a-by-viviane-sassenDie Flüchtlingskrise spaltet die Nationen und die Welt gerät einmal mehr aus den Fugen. Anstatt mit offenen, Schutz versprechenden Armen empfangen zu werden, treffen viele Heimatvertriebene in Europa auf verschlossene Türen und ablehnende Gedanken. Und das, nachdem sie Krieg und Terror gerade erst hinter sich gelassen haben. Humanität wird zum wichtigsten Hilfsgut unserer Zeit, doch mangelt es daran leider vielerorts. Gut, dass es Menschen gibt, die sich unaufhörlich stark für die Schwachen machen. Im Alter von zehn Jahren landete Mathangi „Maya“ Arulpragasam zusammen mit Mutter und Schwester selbst in einem Londoner Flüchtlingsheim. Da die aus Sri Lanka stammende Familie bereits zuvor in Groß Britannien gelebt hatte und Arulpragasam auch dort geboren wurde, gelang ihnen die Integration in den Folgejahren recht reibungslos. Dennoch vergaß die heute 41-Jährige nie die Privilegien, die ihr dabei zuteilwurden. Privilegien, die viele andere Flüchtlinge nicht genießen können. Heute nutzt Arulpragasam ihre Bekanntheit als M.I.A., um auf die Probleme unserer Erde aufmerksam zu machen. Schonungslos und provokativ.

aimWie bereits die Vorgängeralben dreht sich auch M.I.A.s neustes Werk „AIM“ schwerpunkttechnisch um weltpolitische Missstände. Damit trifft die Tamilin den Nagel auf den Kopf und trägt ihren Teil zu aktuell vorherrschenden Diskussionen bei. Musikalisch stützt sie sich derweil auf ihre Stärken und knüpft an das exzentrische Gemisch aus Electro, Rap und Weltmusik an, das ihre Ausnahmekarriere einst ins Rollen gebracht hatte. „AIM“ zeichnet einen strikten Gegenentwurf zu dem Bollywood-Charme, der sonst häufig aus dem südasiatischen Kulturkreis zu uns in den Westen herüberschwappt. Dennoch sind Einflüsse Arulpragasams Herkunft klar und deutlich im Background ihrer Songs zu vernehmen. Ausnahmslos. Sie bilden die Farbpalette, die sie als M.I.A. heranzieht, um ihre Kompositionen mit Leben zu füllen. 12 Tracks, die bunt, aufrührend und zugänglich zugleich sind, lassen sich als Resultat auf der Standardversion von „AIM“ finden. Vom siedenden Albumopener „Borders“ über das in Kooperation mit Skrillex entstandene „Go Off“ bis hin zu dem recht mainstreamtauglichen „Survivor“. Auch der „Bird Song“, der in abgewandelter Form schon auf Anoushka Shankars letzter Platte „Land Of Gold“ zu begeistern wusste, ziert die Tracklist. Nun bleibt zu hoffen, dass es sich bei „AIM“ nicht – wie von M.I.A. angekündigt – um ihr letztes Album handeln wird. Denn Grenzgänger wie sie sind es, die die Musikwelt vielfältig machen.

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