REVIEW: El Perro Del Mar „KoKoro“

el-perro-del-mar-by-thisnerWir alle sind Trends unterworfen. Ob im alltäglichen oder beruflichen Leben. Davon können sich auch kreative Köpfe nicht freisprechen, so gern sie dies auch oft würden. Umso schöner ist es aber, wenn einem das Glück zuteilwird, an der allgemeinen Geschmackbildung teilhaben zu können, anstatt sich dieser machtlos unterwerfen zu müssen. Am besten funktioniert dies wohl, wenn man sich ganz bewusst dazu entscheidet, einfach das zu machen, worauf man eben Lust hat. Zumindest könnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man sich die Schwedin Sarah Assbring alias El Perro Del Mar anschaut. Als sie 2005 ihr Debütalbum „Look! It’s El Perro Del Mar!“ veröffentlichte, flirtete sie derart intensiv mit Chamber- und Retro-Pop, dass ihre Begeisterung für diese Genres schnell auf eine größere Masse überschwappte. Das brachte ihr nicht nur mehr Bekanntheit ein, sondern bescherte ihr auch eine nicht enden wollende Welle an positiven Presserezensionen. Gelobt wurde Assbring dabei vor allem für ihren Avantgarde-Charakter, der sich auch auf den Folge-LPs „From The Valley To The Stars“ (2008) und „Love Is Not Pop“ (2009) durchsetzen sollte. Gleichwohl sie dann mit ihrem letzten Album „Pale Fire“ (2012) den wütenden Eightieshype befriedigte, indem sie Synthesizer und Drumbeats in den Vordergrund ihrer Kompositionen stellte, tat sie auch dies mit einer Eigenbrötlerei, die ihresgleichen sucht. Diese Frau scheint sich einfach nicht verbiegen lassen zu wollen.

kokoro„KoKoro“ heißt das heute erscheinende fünfte Studioalbum von El Perro Del Mar. Mit ihm wendet sich die Schwedin bewusst von dem Vorgänger ab und richtet ihren Blick gen Osten. Inspiriert von thailändischen, indischen, chinesischen und äthiopischen Einflüssen entschied sich Assbring, ihr tonales Spektrum gehörig aufzustocken und um zahlreiche wundersame Trommeln, Blass- und Streichinstrumente zu erweitern. Wie gut dies dem Sound von „KoKoro“ tut, zeigt sich anhand von Tracks wie der Vorabsingle „Breadandbutter“. In der zähen Masse monotoner, von Elektronik durchzogener Gegenwartsmusik wirkt diese wie eine frische Kreativitätsbrise. Damit erreicht Assbring ein Ziel, das sie sich noch vor der Produktion von „KoKoro“ selbst gesteckt hatte. Nämlich Popsongs zu komponieren, die sich dem Verständnis westlicher Hörgewohnheiten entziehen und dennoch eine gewisse Relevanz für eben diese erlangen können würden. Konsequent orientieren sich auch die restlichen Stücke auf „KoKoro“ an einer fernöstlichen Klangästhetik, ohne allerdings in zu dichte Ethnosphären abzudriften. Assbring gelingt es, eine Balance zwischen Pop und Folklore, Fortschritt und traditionellen Reminiszenzen zu erschaffen. Gebettet in ein detailverliebtes audiovisuelles Gesamtkonzept, das vom Styling El Perro Del Mars über das Albumcover bis hin zu entsprechenden Musikvideos reicht, avanciert „KoKoro“ zu jenem Fisch, der mit größter Leichtigkeit gegen den Strom schwimmt. Bewundernswert und ein absoluter Hörgenuss!

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