REVIEW: Warpaint „Heads Up“

warpaint-by-mia-kirbyWer heutzutage ein Album veröffentlicht, hat es wahrlich nicht leicht. Sobald die Promotion, sprich das Bewerben einer Platte, anrollt, muss alles einen Tick aufregender, spezieller und reißerischer sein als bei den Kollegen zur Rechten und zur Linken. Kaum ein Release kommt noch ohne eine speziell ausgetüftelte Marketingstrategie, inklusive vielversprechendem Trommelwirbel, aus. Ausgerechnet Radiohead-Sänger Thom Yorke, der das Spiel um die Hörergunst erst kürzlich auf die Spitze trieb (wir berichteten), rudert nun zurück und prangert an, dass es kaum noch um die eigentlich wichtige Sache, nämlich die Musik, ginge. Wo der Mann Recht hat, hat er Recht. Aktuellstes Beispiel: Warpaint. Wurden die vier Damen aus Los Angelos in den letzten Jahren für ihren nebulösen Psychedelic Rock von Kritikern und Fans in den Himmel gelobt, scheint diese Tatsache allein nicht ausgereicht zu haben, um weiter auf sie aufbauen zu wollen. Stattdessen entschieden sich Band, Label und PR-Agentur, dass es für Album Nummer drei einen echten Aufhänger bräuchte. Und dieser erschien in Form der ersten Singleauskopplung „New Song“, einer discotauglichen Indiepop-Nummer, die so gar nicht zu dem Backkatalog der Band passen wollte. Schon entbrannten Diskussionen darüber, ob Warpaint eventuell in die gefürchtete Mainstreamfalle getappt sein könnten.
Die Band war erfolgreich ins Gespräch gebracht.

warpaint-heads-upTatsächlich stellt „New Song“ einen Bruch in der Diskografie Warpaints da. Derart heiter und unbeschwert hat man Emily Kokal, Theresa Wayman, Jenny Lee Lindberg und Stella Mozgawa bis dato noch nie gehört – zumindest nicht auf Vinyl oder CD gepresst. Nur ist „New Song“ keinesfalls repräsentativ für die dazugehörige LP „Heads Up“, weswegen auch der im Juli auf Facebook gepostete Albumteaser streng genommen in die Irre führt. „Heads Up“ ist eine Warpaint-Platte allererster Güte. Ein kunstvoll produziertes, musikalisch anspruchsvolles Album, das trotz seiner kurzen Produktionsdauer von nur vier Monaten, für sich genommen alle Erwartungen hätte erfüllen können, die man an es gestellt hat. Aufgrund der vorab gezündeten Raketen bedarf es jetzt allerdings einer nicht unerheblichen Anzahl an Durchläufen, um dies auch zu erkennen. Denn die erste Reaktion, die „Heads Up“ hervorruft, ist Enttäuschung. Enttäuschung darüber, dass sich der Stil der Band in seinen Grundfesten gar nicht so stark verändert hat, wie es „New Song“ andeutete. Plötzlich wirken „Whiteout“ und „By Your Side“, die beiden ersten, noch vor „New Song“ platzierten Stücke fast ein wenig belanglos, wartet man doch bereits gespannt auf die häufig angepriesene Tanztauglichkeit von „Heads Up“. Schade. Der übermächtige Schatten, den die Vorabberichterstattung zum Album nach sich zieht, drängt zudem auch den Rest der Platte ins Dunkel. Nur handelt es sich nicht um ein mysteriöses Dunkel, das man erkunden will, sondern vielmehr um reine Irrelevanz. Wie viel besser wäre es gewesen, hätte „New Song“ als Überraschung fungiert, die den Gipfel der Experimentierfreude darstellt, die Warpaint auf „Heads Up“ zu ihrer Maxime erklärt haben? Erst einen großen Sprung vorwärts zu machen und dann zwei kleine Schritte zurückgehen zu müssen, diese Taktik scheint hingegen nicht aufgegangen zu sein und nimmt Warpaint jedweden Wind aus den aufgeblähten Segeln. Trotzdem darf keineswegs unerwähnt bleiben, nein, es muss eben extra darauf hingewiesen werden, dass Tracks wie „Don’t Let Go“, „Dre“ oder „Above Control“ echte akustische Perlen sind. Man muss nur genug Atem mitbringen, um nach ihnen zu tauchen.

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