REVIEW: Apothek „Apothek“

apothekManch eine Analogie drängt sich förmlich auf, wenn man vor seinem Rechner sitzt und einen Text zu einer Band oder Platte in die Tasten tippt. Im Fall der Norweger Apothek stellt sich beispielsweise unvermeidbar die Frage, welche Medizin sie ihren Hörern wohl mit ihrem selbst betitelten Debütalbum „Apothek“ verabreichen wollen? Immerhin haben die beiden Nachwuchskünstler sich bei der Namensfindung ihres Projekts von einer Berliner Bar inspirieren lassen. Die Antwort ist simpel wie spannend. Morten Myklebust und Nils Martin Larsen stützen ihr Werk auf ihre recht konträr wirkenden Backgrounds: Klassisches Songwriting und elektronisch komponierte Musik. Das Ergebnis darf dann als eine Art multimodales Behandlungskonzept für von akustischer Langeweile geplagte Gemüter verstanden werden. Gleichzeitig passt Apotheks Ansatz aber auch hervorragend zu den Fusionstrends, die sich eh schon seit Jahren innerhalb der Independentbranche abzeichnen – man denke nur an Künstler wie SOHN oder Apotheks Landsmännin Susanne Sundfør, bei deren Tourneen sie lange Zeit im Vorprogramm auftreten durften.

apothek-apothekDie Idee, organische und artifizielle Elemente zu kombinieren mag zwar im Prinzip nicht neu sein, nur hat sie selten derart innovativ geklungen, wie es bei „Apothek“ der Fall ist. Statt inhaltsloser Lyrics, die nur allzu gern an programmierte Tunes geheftet werden, um einen Identifikationspunkt für die Hörer zu schaffen, erzählen Myklebust und Larsen in ihren Songs Geschichten. Betrachten Wahrheiten und Ungewissheiten, mit denen junge Erwachsene in ihrer oft schwankenden Lebensplanung konfrontiert werden, und liefern ihre ganz individuellen Gedanken zu jenen Themen. Wenngleich Myklebusts Stimme dabei recht viel Platz für sich beansprucht, weiß Larsen seinem Partner stets filigrane, oft aber auch opulente Synthesizerflächen entgegenzusetzen. Genau diese Wechselwirkung ist es, die Tracks wie „Roaring“ oder „Departure“ eine Eigenständigkeit verleiht, an der es den Erzeugnissen vieler anderer Newcomer leider häufig mangelt. Es bewahrheitet sich, was die vorab veröffentlichten Stücke „Family“, „Waiting For The Thunder“ und „Reunion“ bereits andeuteten: Apothek stellen eine interessante Neuentdeckung im experimentellen Electronica-Bereich dar. Imogen Heap meets Radiohead meets Queen. Den Stil von Apothek zu greifen ist schier unmöglich, weil er sich immer dann verändert, wenn man ihn gerade zu fassen glaubte.

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