REVIEW: Valerie June „The Order Of Time“

Wir haben es geschafft, Wasser aus den Tiefen des Bodens in unsere Häuser zu pumpen, Wind und Sonne derart zu nutzen, dass sie uns unseren Lebensalltag erleichtern und wir haben die Rhythmen unseres Planeten so konserviert, dass sie in Form von Musik unseren Herzschlag zu beschleunigen vermögen. Der Mensch ist ein Kraftwerk für Ideenreichtum und Kreativität. Auch, wenn er seine Fähigkeiten nicht immer dazu verwendet, Gutes zu tun, ist es doch umso erstaunlicher, wie viel Frieden und Harmonie im Erklingen einer Gitarrensaite, einer Trommel oder einer Stimme liegen.
Die Songs von Valerie June sind für jene Momente gemacht, in denen es einer Besinnung auf die Stärken unserer Qualitäten als Erdenbewohner bedarf. Wie kaum einer ihrer Kollegen hat es die afroamerikanische Songwriterin in jüngster Vergangenheit geschafft, das Erbe ihrer langjährigen Wahlheimat Memphis, den Südstaatenblues, in die Moderne zu überführen, als gehöre er genau dort hin. Ihr Talent regte nicht nur zahlreiche wichtige Musikmagazine dazu an, Lobeshymnen auf sie zu verfassen, sondern animierte auch die ehemalige First Lady, Michelle Obama, dazu, ihr eine Einladung ins Weiße Haus zu schicken. Valerie Junes fünftes Album erscheint heute bei Caroline und trägt den Titel „The Order Of Time“.

Mit wenigen Ausnahmen (beispielsweise „Two Hearts“ und „With You“) bleibt Valerie June auch auf „The Order Of Time“ ihrer akustischen Handschrift treu. Hier und da schleift sie zwar ein wenig an den Kanten ihres Stils und unterfüttert ihn mit kurzen sphärischen Sequenzen – wie in dem Track „Astral Plane“ – allerdings nur, um dann wieder die Soundästhetik vorangegangener Veröffentlichungen aufflackern zu lassen. Dieses Prinzip geht erneut auf. Als Europäer bekommen wir, den zwölf Stücken sei Dank, einen wesentlich vielfältigeren Eindruck von dem akustischen Schatz der USA, als es uns die von dort herüberschwappenden Chartphänomene oft glauben machen wollen. Während June ihren markant kratzigen Gesang nutzt, um spannende Geschichten über die Zeit, Liebesbeziehungen oder ein Gefühl der Sehnsucht zu erzählen, durchläuft der klangliche Background der Platte einen fast unerschöpflichen Facettenreichtum – wenngleich stets in Blues, Soul und Country verwurzelt. June selbst erklärt jedoch, dass das Banjo, welches als fester Bestandteil auch auf „The Order Of Time“ Einzug erhielt, keineswegs ein rein für den Bluegrass und angrenzenden Genres typisches Instrument sei. Vielmehr habe es seinen Ursprung auf dem schwarzen Kontinent Afrika, der auch durch die Venen Junes selbst fließt. Begleitet von Streichern, E-Gitarren und allerhand rockiger Beats entsteht so ein Kulturen übergreifender Gesamteindruck. Wir bedanken uns bei Valerie June für ein Album, das aufgrund seiner Authentizität und Eigentümlichkeit eine echte Ausnahme im aktuellen Musikgeschehen darstellt.

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