REVIEW: Hildegard „Hildegard“

Bittersüßer Pop prallt auf metallene Drone-Sounds und ein waberndes Downbeat-Gemisch: Hildegard sparen auf ihrer gleichnamigen LP „Hildegard“ nicht mit ungewöhnlichen Genre-Experimenten.

Es waren acht Tage im Jahr 2018, an denen die Sängerin Helena Deland und die Produzentin Ouri (Ourielle Auvé) gemeinsam ins Studio gingen, um mit unterschiedlichen Songideen herum zu jonglieren und schlussendlich ein komplettes Album zu entwerfen. „Hildegard“ macht die Verbindung, die sie in dieser intensiven Zeit gespürt haben, auch über ihre Zweisamkeit hinaus erlebbar. Als wäre zusammengekommen, was schon immer zusammengehörte. Die recht konträren musikalischen Backgrounds Delands und Auvés – die eine klassische Songwriterin, die andere soulige Electronica-Avangardistin – ergänzen sich dabei in vielerlei Hinsicht. Die kreativen Ansätze der Kanadierinnen greifen ineinander wie Zahnräder, füllen aufkommende Leere mit artifiziellen Klangmustern und setzen Akzente, wo andere in die Ideenlosigkeit abdriften würden. Zurückbleibt eine Platte, die trotz zahlreicher Ecken und Kanten wie aus einem Guss gefertigt zu sein scheint. Mal süß wie Honig, mal stachelig wie die Bienen, die ihn beschützen. Als prominente Patin für ihr Projekt erwählten Ouri und Helena Deland derweil symbolträchtig die Dichterin, Komponistin und heilkundige Universalgelehrte Hildegard von Bingen. Eine Frau, die ihrer Zeit voraus war. Genauso wie Deland und Ouri es vielen ihrer Kollegen sind, wenn es darum geht, sich vom vorherrschenden Einheitsbrei abzuheben. 

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