REVIEW: John Grant „Boy from Michigan“

Zusammen mit seiner Freundin und Musikerkollegin Cate Le Bon als Produzentin reflektiert John Grant auf «Boy from Michigan» seinen Werdegang vom kleinen Jungen zum Ausnahmekünstler.

Erinnerungen sind das, was uns zu grossen Teilen als Mensch definiert. Sie zeigen, woher wir kommen, welche Hürden uns zum Stolpern brachten und welche Herausforderungen es waren, an denen wir schlussendlich wachsen durften. John Grants Biografie ist vollgepackt mit turbulenten Ereignissen: Drogenprobleme, das Coming-out als Homosexueller, eine HIV-Diagnose. Wenn jemand von sich behaupten kann, die Herausforderungen des Lebens in vollem Umfang kennengelernt zu haben, dann wohl der 52-jährige. Trotz – oder vielleicht auch wegen – seiner bewegten Vergangenheit eroberte er den queeren Underground jedoch wie im Sturm und avancierte zu einem der strahlendsten Songwriter unserer Zeit. Auf «Boy from Michi- gan» gewährt John Grant intime Einblicke wie nie zuvor und setzt sich kritisch mit den Hinterlassenschaften eines irren Präsidenten auseinander, der seine Heimat mit Missgunst und Hass terrorisiert hat. Dabei bewegt sich der vollbärtige Tausendsassa in dem für ihn typischen Spannungsfeld, irgendwo zwischen psychedelischem Electropop und handgemachter Pianomusik, und entlockt diesem immer wieder neue Facetten.

Diese Review ist in der aktuellen Printausgabe des Mannschaft Magazins erschienen.

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