REVIEW: Darkside „Spiral“

Ein Album, das einen noch zu überraschen vermag: Nicolas Jaar und Dave Harrington haben sich für „Spiral“ erneut als Darkside zusammengefunden.

Musik zu machen, bedeutet mehr als einfach nur kreativ zu sein. Wischt man alle romantischen Vorstellungen beiseite, wird einem schnell klar, dass dahinter ein ausgewachsenes Businessmodell steckt. Viele Künstler leben von ihrer Musik. Zahlen mithilfe ihrer Songs oder Einnahmen aus Konzerten und Produzententätigkeiten die Brötchen, die morgens auf dem Frühstückstisch stehen. Das gilt auch für Nicolas Jaar und Dave Harrington. Das Electronica-Wunderkind und der Multiinstrumentalist haben sich hauptberuflich der Musik verschieben. Dank ihres Ehrgeizes und Fleißes gehören sie heute zu den Besserverdienenden der Branche, was ihnen hier und da gewisse Freiheiten erlaubt.  So verstehen sie ihr gemeinsames Projekt Darkside beispielsweise als eine Art Zuflucht. Als Ausgleich zu ihren Solokarrieren, als sprudelnde Quelle der Inspiration. Darkside ermöglicht den beiden Klangfilous, ohne Zwang Impulsen zu folgen, die dem tiefsten Inneren ihrer Selbst entstammen. Immer dann, wenn ihre Terminpläne es hergaben, trafen sich Jaar und Harrington, um fortzuführen, was sie 2013 mit dem Debüt „Psychic“ begonnen hatten. Nämlich ihre auditiven Visionen miteinander zu teilen und einen Stil weiterzuentwickeln, der sich unverkennbar von den Werken ihrer Kollegen abgrenzen lässt. In den Sommermonaten des Jahres 2018 erkoren Darkside eine Hütte im indigenen Lenni-Lenape-Territorium aus, um ernsthaft an einem Nachfolger zu ihrem gefeierten Erstlingswerk zu arbeiten. Folglich verwundert es auch nicht, dass schamanisch anmutende Melodien und eine im Hintergrund schwelende Hitze das Album dominieren. „Spiral“ wirkt dennoch zugänglicher als sein Vorgänger. Vielleicht sogar ein bisschen lässiger und weniger verkopft. Schicht um Schicht haben Harrington und Jaar die einzelnen Tracks aufgebaut und dafür gesorgt, dass jedes neue Element, jeder noch so obskure Instrumenteneinsatz und jedwede gehauchte Gesangspassage, die Chance bekommt, ohne allzu große Ablenkung für einen Moment ins Rampenlicht treten zu dürfen. Zahlreiche Höhepunkte reihen sich aneinander und formen eine Ethno-Ambient-Platte, die gespickt ist mit verspielten Frickeleien und sphärischen Nuancen. Bemerkenswert!

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