REVIEW: Leyya „Longest Day Of My Life“

Hilfe zur Selbsthilfe: Leyyas EP „Longest Day Of My Life“ bietet Perspektiven in einer vermeintlichen Perspektivlosigkeit.

Psychische Erkrankungen haben ihren Ursprung im Gehirn, was leider dazu führt, dass sie von unserer Gesellschaft oft nicht genauso ernstgenommen werden wie beispielsweise ein Armbruch, eine Grippe oder ein Tumor. Dass eine Depression aber nicht minder wuchern und wehtun kann, musste Sophie Lindinger, Sängerin und weibliche Hälfte des Duos Leyya, am eigenen Leib erfahren. „Ich habe beobachtet, was meine Depression mit mir und auch mit meinem Umfeld macht. (…) Es ist ein Teufelskreislauf, aus dem du nur ausbrechen kannst, wenn du offen damit umgehst und darüber sprichst.“ Und das tut die Österreicherin nun mit Unterstützung ihres Bandpartners Marco Kleebauer. Die EP „Longest Day Of My Life“ dokumentiert und enttabuisiert die verschiedenen Phasen, die eine Depression mit sich bringt. Von tiefer Verzweiflung und Traurigkeit über Dissoziationsmomente, also Gefühle, nicht mehr im eigenen Körper zu stecken, bis hin zu einer wiederaufkeimenden Hoffnung, die sich meist erst dann einstellt, wenn man aufhört, mit der noch verbliebenen Kraft gegen die Krankheit anzukämpfen, und sie stattdessen als Teil der Akutsituation anzuerkennen. Depressionen sind Warnzeichen für Überlastung, unverarbeitete Traumata oder andere stressende Faktoren. Sie als dies zu bewerten und zu überlegen, wo es Veränderungen im Leben braucht, kann ein Ausweg aus der Hoffnungslosigkeit darstellen, die sich wie ein Schatten über den Alltag legt, sobald eine Depression an Fahrt aufnimmt. „Longest Day Of My Life“ schenkt auf subtile, charmante Weise Zuversicht, ohne moralisierend zu sein. Die beschwingten Instrumentierungen sowie der sanfte Gesang Lindingers stehen dabei in starken Kontrast zu den schweren Gedanken, die die Lyrics der Songs verhandeln. Leyya schlagen mit der EP selbstbewusst ein neues Kapitel innerhalb ihres Schaffens auf und scheuen sich nicht, unbequeme Themen in Süße zu ertränken. Neben dem für sie typischen Indie/Electro-Pop-Sound mischen sich derweil auch erstmals Pop-Noir-Einflüsse („Ordinary“) in das akustische Geschehen. Es verdient allen Respekt, sich derart reflektiert und kreativ den eigenen Dämonen zu stellen.

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