REVIEW: SOHN „Trust“

Worauf man vertrauen kann, ist, dass SOHN sich mit jedem neuen Album wieder aus seiner Komfortzone herausbewegt. Das gilt auch für „Trust“.

Christopher Taylor hat SOHN bisher als Ein-Mann-Projekt betrieben, zumindest, wenn es um das Schreiben, Komponieren und mit wenigen Ausnahmen auch das Einspielen und Abmischen seiner Songs ging. Bei seinen Liveshows setzte der gebürtige Brite hingegen schon länger auf die Unterstützung einer Band im Rücken. Seine Platten „Tremors“ (2014) und „Rennen“ (2017) fanden schnell Anklang bei einem breiten Publikum und erhielten durchweg positive Kritik. Es hätte also keinen Grund gegeben, etwas an der Art und Weise zu verändern, wie Taylor seine Alben konzipiert. Doch war er mit dem, was er unter dem Arbeitstitel „Tundra“ als LP Nummer drei zusammengeschustert hatte, nicht zufrieden. Der Platte fehlte etwas: Menschen. Als Taylor in L.A. gestrandet war, wo er letzte Handgriffe an „Tundra“ vornehmen wollte, warf er schlussendlich das gesamte Konzept der Platte um und entschied, erstmals auf die Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen zu setzen. Es dürstete ihm nach Kommunikation, nach Austausch. Als menschliche Wesen brauchen wir ein Gegenüber, um wirklich verstehen zu können, wer wir sind. Dank der Rückmeldungen unserer Umwelt bekommen wir uns selbst mehr und mehr zu fassen. Genau das stellte auch Taylor fest. „Trust“, die Revision von „Tundra“, ist ein feingliedriges persönliches Werk geworden, das viele Themen aus Taylors Leben streift: Familie, Vatersein, die Verbundenheit von und in Gemeinschaften. Gleichzeitig – wie oft in der Vergangenheit – feilte SOHN erneut an seinem stilistischen Profil, indem er den elektrischen Dubstep-Bombast der beiden Vorgänger deutlich zurückfuhr und stattdessen auf klanglichen Minimalismus setze. Um seiner Stimme und seinen Texten Raum zu lassen und so die Intimität seiner Botschaften für die Hörer*innen erlebbar zu machen. Wer ein lautes, krachendes Club-Album erwartet, dürfte mit „Trust“ wenig anfangen können. Wer hingegen versteht, dass sich Persönlichkeiten – wie auch Musiker*innen sie sind – aus mehr als einer Facette zusammensetzen, der kann mithilfe von „Trust“ die zarten Seiten SOHNs entdecken.


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