REVIEW: Mount Kimbie „The Sunset Violent“

Eklkektisch, vielfältig, bittersüß: Mount Kimbie präsentieren mit „The Sunset Violent“ ein Album, das mehrere Durchläufe braucht, um verstanden zu werden. Nicht, weil es sperrig wäre, sondern weil es mehr zu bieten hat, als die Sinne auf einmal verarbeiten können.

Sie gelten als Begründer des Post-Dubstep und waren damit ihrer Zeit immer einen Schritt voraus. Dominic Maker und Kai Campos haben Ende der 00er Jahre mit ihrem Projekt Mount Kimbie die britische Minimal-Szene nicht nur aufgemischt, sondern revolutioniert. Bis heute gelten sie als eine der wegweisenden Formationen, wenn es darum geht, ihre elektronische Up-Tempo-Musik statt mit Basslastigkeit durch Einflüsse aus Ambient, Lo-Fi, Folk oder anderen gemäßigteren Genres zu veredeln. Ihr neuestes Werk „The Sunset Violent“ bildet da keine Ausnahme. Es heißt, die LP sei unter einem freien Himmel entstanden, der keine Grenzen, sondern nur Weite und Unendlichkeit kennt. In der Wüste, in einer verschlafenen Kleinstadt, die statt auf technischen Fortschritt und Urbanität lieber auf Tradition und alte Anekdoten wie angebliche UFO-Sichtungen setzt. Tatsächlich wirken die Songs auf „The Sunset Violent“ zum Teil so gelassen und weitläufig, dass man gedanklich schnell an jenen Ort wandern kann, wo nachts nur das Firmament die Szenerie erhellt. Doch weht durch diese Idylle auch ein rauer Wind, denn die Platte ist alles andere als gefällig oder glatt. Songs wie „Boxing“ oder „Empty and Silent“, in dem auch King Krule zu hören ist, sind ebenso wie die Vorabsingles „Dumb Guitar“ oder „Fishbrain“ gespickt mit Eruptionen, die dafür sorgen, dass man als Zuhörer*in immer wieder zu den Texten von Campos und Maker zurückkehrt, statt sich in der Behaglichkeit der Klänge einzurichten. Texte voller verrückter Ideen. Texte, die sowohl den Wahnsinn des Alltags als auch philosophische Reflexionen enthalten. Die mit Ironie und Doppeldeutigkeit spielen, die Dunkelheit und Licht in sich vereinen. Mount Kimbie teilen mit uns die all die Passion, die sie im Laufe ihrer Karriere für das Schreiben, Komponieren und Musikmachen gesammelt haben. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes ansteckend! Lasst euch also infizieren von der Kreativität des frisch geborenen Quartetts – denn neben den Masterminds Maker und Campos gehören nun auch Sängerin Andrea Balency-Béarn und Marc Pell offiziell und fest zu Mount Kimbie.


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